Veröffentlicht in Politik

Eindrucksvoll gescheitert

Kabarettist und Schauspieler Roland Düringer ist mit seiner Kandidatur für die Nationalratswahl „G!LT“ grandios gescheitert; ein-drucks-voll!

Einerseits lässt er mir auf eine Anfrage nach einem Wahlprogramm schicken:

Wir setzen uns für die Umsetzung eines neuen Demokratiemodells ein. Daher können und werden wir keine inhaltlichen Positionen zu Themen einnehmen.

Also: „keine inhaltlichen Positionen zu Themen“.

Andrerseits produziert dieses „neue Demokratiemodell“ einen Spitzen(!)kandidaten (namens Günther Lassi), der im Web als „Kräuterpädagoge“, als „Natur- und Landschaftsführer“, als „Märchenerzähler“, aber mit seiner Frau auch als „(Fee) Morgane und (Zauberer) Merlin“ auftritt. Und der eines der übelsten antisemitischen Pamphlete („Die Protokolle der Weisen von Zion“) als ernsthafte Schrift verlinkt.

Und das, obwohl dieser „Spitzenkandidat“ seit 2015 durch das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands als antisemitischer Esoteriker bekannt ist. Oder vielleicht, bestenfalls, nur als ungeheuer naiver Mensch.

Das kommt davon, wenn man den Spitzenkandidaten auslost. Wenn man Düringer wählt, sitzt dieser Spitzenkandidat im Parlament. Dann gilt Deine Stimme nicht, wenn du ein vernünftiger Mensch bist.

Vielleicht ist Denken, Diskutieren und (wenn nötig) Abstimmen doch vernünftiger als bloß Sammeln und Losen.

Roland Düringer ist ein witziger Schauspieler – ich mag ihn als Stress, Angst, Frust und Zorn in der „Viertelliterklasse“. Als Kabarettist ist er m.E. noch besser. Aber als Politiker ist er einfach – naja: – daneben. G!LT war ein nettes Kunstprojekt. Dabei sollte es bleiben. Das folgende Politprojekt ist mindestens eine Schuhnummer zu groß. Düringer, bleib bei Deinem Leisten.


Im Ernst: wenn man sich die Videos der KandidatInnen für „G!LT“ ansieht, sieht man nette Menschen und weniger nette, vernünftige und weniger vernünftige, eitle Selbstdarsteller und bemühte Rechtschaffene – kurz alles, was es gibt. Das gibt es – in dieser oder jener Gewichtung – bei jeder Musikkapelle, jedem Sportverein und in jeder Partei. Aber in jeder Musikkapelle, in jedem Sportverein und in jeder Partei (außer bei GILT) stellen sich diese Menschen einer Wahl, nein: einer Diskussion und einer Wahl. Und da werden im Normalfall die größten Koffer nach hinten gereiht. Wählen ist nicht schlecht; wählen ist besser als losen. Losen bringt – wie GILT zeigt – die Koffer im gleichen Ausmaß an die Spitze wie sie auch in der Grundgesamtheit vorhanden sind.

Wenn man sehr böse ist, könnte man sagen: Roland Düringer missbraucht nette, vernünftige Menschen für ein undurchdachtes „Kunstprojekt“, das sich als politische Partei ausgibt. Er knüpft am berechtigten Unmut an – und vergrößert diesen letztlich, weil er diese Menschen verführt, täuscht, vorführt und ent-täuscht.

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michael bürkle
michael bürkle
3 Jahre alt

spitzenkandidat lassi („merlin“) ist zurückgetreten. das verbessert nicht das system, das sich düringer und seine leute ausgedacht haben. „offene demokratie“ als zusammengewürfelter, problembezogener haufen engagierter bürgerInnen, die unabhängig von parteien (???) die probleme selbst lösen: das ist m.e. illusion.
man muss der situation geradezu dankbar sein, dass sie das so schnell dargestellt hat.
m.b.

Whisker
Whisker
2 Jahre alt

@Michael:
> Aber als Politiker ist er einfach – naja: – daneben. G!LT war ein nettes Kunstprojekt.
> Dabei sollte es bleiben.

Ich warte ja nach wie vor darauf, dass Roland Düringer nächstes Jahr mit einem neuen Kabarettprogramm auf Tournee geht, sich dann herausstellt, dass das ganze G!LT-Projekt nur dazu diente, Gags zu sammeln.
Weil Düringer daraus jetzt ein satirisches Programm über z.B. Parteien und Wahlen bastelt. 🙂