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Gipfel der Scheinheiligkeit: Schächten als Tierquälerei

Ein niederösterreichischer FP-Politiker will Kunden von Fleisch, das durch Schächtung entstanden ist, registrieren lassen: das betrifft dann vor allem Juden und Moslems, die ihren Glauben streng auslegen.

Damit hätte man die Voraussetzung für eine Datenbank strenggläubiger Juden und Moslems.

Dass das Juden und Moslems beunruhigt, verstehe ich. Durchaus.

Das „Argument“

Der FPÖ-Politiker bezeichnet die Schächtung als Tierquälerei. Bei der Schächtung, die aus der Sicht strenggläubiger Juden und Moslems nötig ist, um Fleisch zu erhalten, das koscher bzw. halal ist, werden dem Tier mit einem scharfen Messer auf der Halsunterseite mit einem Schnitt die großen Blutgefäße und die Luft- und die Speiseröhre durchtrennt. Zweck ist ein möglichst restloses Ausbluten des Tieres, da in strengen Varianten des Judentums oder des Islams der Verzehr von Blut verboten ist.

Tatsache ist, dass beim Schächten das Tier nach erfolgtem Schnitt betäubt wird. Ob und inwiefern eine Betäubung vor dem Schnitt rituell korrekt ist, ist umstritten.

Der Gipfel der Scheinheiligkeit

Dass das Schächten kein schöner Vorgang ist, dass damit eine gewisse Qual von Tieren verbunden ist: das ist mir so weit klar. Insofern: Tierquälerei.

Dass es reicht, zu notieren, wer Schächten darf oder nicht: das ist mir auch klar. Wir brauchen nicht die Käufer. Klar soll sein, wer es tun darf.

Dass es aber überhaupt scheinheilig ist, von Tierquälerei in Bezug auf manche Arten des Schlachtens zu reden, ist für mich evident. Man kann sich in genügend vielen seriösen Dokumentarfilmen ansehen, wie „human“ es in unseren ganz konventionellen Schlachthöfen zugeht: gar nicht! Da werden Tiere bei lebendigem Leib lange gequält: Rinder, Hühner, Schweine, Schafe.

Schlachten ist immer mit einer gewissen Qual verbunden – da braucht sich der Herr Landesrat nicht über das Schächten zu echauffieren. Ich unterstelle ihm, dass es ihm auch gar nicht um das Schächten geht, sondern um eine Minderheitenerhebung.

Essen und Tierquälerei

Wenn es um die Vermeidung von Tierquälerei ginge, müsste der Herr Landesrat die konventionellen Schlachthöfe verbieten. Dann wäre es aber aus mit dem Schweinsschnitzel und der Wurst im Zeltfest und im Wirtshaus.

Wenn es um die Vermeidung von Tierquälerei geht, kann man schnell zum Schluss kommen, dass die Fleischwirtschaft unmoralisch ist und man auf Fleisch an sich verzichten sollte. So weit und vegetarisch bin ich schon: wegen mir muss weder geschächtet noch konventionell geschlachtet werden. Mir gehts auch um keinerlei Religion. Es geht ohne Fleisch und ohne Religion.

Konsequent weitergedacht müsste man dann aber auch auf Milch und damit auch auf Milchprodukte verzichten, denn die Milchwirtschaft ist die andere Seite der Fleischwirtschaft. (Keine Milch ohne ein Kalb: Wohin mit dem Kalb?) Das ist dann vegan. Da tu sogar ich mir schwer: ein Bergkäs ist schon was Gutes.

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4 Comments
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michael bürkle
michael bürkle
2 Jahre alt

Ein Freund macht mich aufmerksam: er meint, ich überschätze den Herrn FPÖ-Landesrat. Dem sei sowohl die Tierquälerei als auch die Minderheitenerhebung über strenggläubige Juden und Moslems egal. Dem gehe es nur darum, für die eigene Kernwählerschaft befriedigende Botschaften zu senden; praktische, umsetzbare Politik sei gar nicht intendiert.
Wenn mein Freund recht hat, hätt ich den Herrn Landesrat einfach ignorieren sollen: keine Öffentlichkeit schaffen.
Mag sein …

Whisker
Whisker
2 Jahre alt

Ich denke, es wäre da dringend notwendig, zwei Dinge differenziert zu betrachten. Einerseits: Die Aktion von Waldhäusl erscheint mir äußerst durchsichtig. Denn für mich sieht es danach aus, dass es ihm da eben nicht in erster Linie um den Tierschutz geht, sondern eher wie ein Versuch, den „eigenen“ Leuten (sprich: Rechten) eine versteckte Botschaft zukommen zu lassen: „Keine Sorge, Kameraden, wir sind schon noch auf Linie“. Oder, einfachere Variante: Er hat sich als Rechter möglicherweise schlicht und einfach verplappert, seine Gesinnung ist ihm quasi „herausgerutscht“. Zweitens: Auf der anderen Seite sehe ich das Schächten durchaus kritisch, und zwar aus meinem… Mehr »

michael bürkle
michael bürkle
2 Jahre alt
Reply to  Whisker

eh. du hast völlig recht; d.h.: seh ich genau so.
wo ich das besonders scheinheilig find: wenn man weiß, wie es in unseren schlachthöfen zugeht, braucht man sich über schächten an sich nicht aufzuregen. kein grund!
(leider hast du den namen des herrn verraten. für mich wär der nicht nennenswert gewesen 😉
m.b

Whisker
Whisker
2 Jahre alt

> leider hast du den namen des herrn verraten. für mich wär der nicht nennenswert gewesen Naja, ich bin halt der Meinung, dass es gerade solche Leute absolut verdienen, „geoutet“ zu werden, denn meiner Meinung nach dient das dazu, dass man dann bei Menschen erkennen kann, woran man bei ihnen ist. Aber ich will damit jetzt nicht behaupten, meine Sicht wäre die einzig richtige, sondern denke, das ist immer ein bißchen ein Dilemma. Denn natürlich kann das einem Menschen auch quasi als „Umwegrentabilität“ mehr Publicity bei den falschen Leuten verschaffen, da ist schon was dran. Allerdings denke ich persönlich, solche… Mehr »