Veröffentlicht in Bildung, Politik

überlegungen zum gendern

„gendern“ ist ein quasi-englisches wort für ein deutschsprachiges problem. im englischen gibt es keine (oder kaum) geschlechtsspezifische endungen. teacher ist genau so lehrer wie lehrerin. student detto. usw. (okay: master ist männlich und mistress ist weiblich. aber viel ist da nicht mehr.)

gendern ist moden unterworfen. ich bin altmodisch und verwende noch das binnen-I, liebe kollegInnen! cool & modern ist, wie ich feststellen kann, derzeit die *-form, liebe mitleser*innen.

aber ist gendern überhaupt nötig? natürlich ist es wichtig, immer wieder klar zu machen, dass man auch von frauen spricht, wenn man „die lehrer“ sagt. (ja, im deutschen ist das maskulinum auch „allgemein“: „generisch“. das ist sprachlich schief und engt das denken ein und ist ein abbild einer patriarchalen gesellschaft. man kann da auch dagegen halten und klar machen, dass man von männern spricht, wenn man „die lehrerinnen“ sagt: man kann ein generisches femininum verwenden.)

das eigentliche problem

ich habe den verdacht, dass das eigentliche problem die referenz über pronomina ist. ein beispiel:

ein mensch steht am straßenrand. er trägt einen schwarzen mantel und einen hut. in seiner rechten hand trägt er eine tasche, in seiner linken einen regenschirm. er überquert die straße und steigt in sein auto.

zeichnen sie sich im geist ein bild. was sehen sie?

zweites beispiel:

eine person steht am straßenrand. sie trägt einen schwarzen mantel und einen hut. in ihrer rechten hand trägt sie eine tasche, in ihrer linken einen regenschirm. sie überquert die straße und steigt in ihr auto.

zeichnen sie sich im geist ein bild. was sehen sie?

der inhalt ist identisch. nichts wird vom biologischen geschlecht („sexus“) des menschen oder der person, von dem / der erzählt wird, gesagt. aber im ersten fall entsteht im kopf des lesers das bild eines mannes, im zweiten fall bei ihr oder ihm das bild einer frau. warum? wegen der personalpronomina er und sie und der possessivpronomina seine / ihre. klar: das genus (das „grammatische geschlecht“) macht ein bild vom sexus.

wir müssen nicht dauernd die nomina splitten und gendern, weder mit binnen-I, noch mit sternchen und schrägstrich.

es reicht, die pronomina klug zu verwenden.


und warum der ganze text in kleinschreibung? weil das seit den sprachwissenschaftlern jacob und wilhelm grimm (ja: die „brüder grimm“) eine Große Alte Tradition ist; Sehr Groß.

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