michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Probleme mit Teilzeit…

„Agenda Austria“

Die „Agenda Austria“ sieht sich als wirtschaftsliberalen „think tank“; eine Agentur, die v.a. die ÖVP, z.T. auch die NEOS und die FPÖ sowohl mit Argumenten als auch mit „Argumenten“ versorgt. Man sehe sich die Liste der Förderer an …

Nun hat Agenda Austria den Wirtschaftminister Hattmannsdorfer unterstützt. Der hat ja von uns Österreicher:innen „mehr Fleiß“ gefordert, will heißen: mehr Bereitschaft zur Vollzeitarbeit statt zur Teilzeitarbeit. Er hat dabei nur nicht bedacht, dass unter den Männern nur 13,7% in Teilzeit arbeiten, unter den Frauen aber 51,1%. Die Frauen sind aber nicht „fauler“; der Appell Hattmannsdorfers zu mehr Fleiß ist ein blamabler Fehler, denn diese Frauen haben einfach viel mehr Care-Verpflichtungen als die Männer. Die können gar nicht Vollzeit arbeiten: so viele Kindergartenplätze und Heimplätze für alte Menschen gibt es gar nicht.

Von den Männern – die heutzutage auch nicht mehr ganz ohne Care-Arbeit auskommen – sind sowieso nur ca. 13% Teilzeitarbeiter: etwa jeder achte. Das ist minimal und vermutlich kaum zu vermeiden.

Probleme fürs Sozialsystem?

Die Agenda Austria ortet durch Teilzeitarbeit Probleme für das Sozialsystem: „Den Sozialversicherungen entgehen 3,1 Mrd. Euro“ heißt es im Artikel. Die Rechnung ist einfach: „etwa 24 Prozent [gaben] an, keine Vollzeitbeschäftigung anzustreben“. Ja, da sind sehr viele Mütter dabei und auch ein paar Väter.

Und: „Würde diese Personengruppe stattdessen eine Vollzeitstelle zum medianen Bruttojahreseinkommen ausüben, würden die zusätzlichen Sozialversicherungsbeiträge bei etwa 3,1 Mrd. Euro […] liegen.“ Ja, wenn die alle Vollzeit arbeiten würden, hätten wir aber auch eine bedeutende Zahl an Arbeitslosen mehr. Die kommen in der Kalkulation der Agenda nicht vor. Die wären aber ebenfalls Fälle für das Sozialsystem.

Verteilung!

Es geht darum, in einer Zeit allgemeiner und fortwährender Produktivitätssteigerung (Technisierung, Automatisierung, KI) Arbeit gerechter zu verteilen. Arbeit wird immer „dichter“, konzentrierter, heikler, erschöpfender.

Das geht nur mit einer Arbeitszeitverkürzung. Wenn „Vollzeit“ 30 Wochenstunden bedeutet, würden mehr Menschen Vollzeit arbeiten können und wollen. Das müsste man dann auch dem Sozialsystem zugrunde legen.

Zusammenfassung für die Agenda Austria

Es gibt praktisch keine freiwillige Teilzeit. Das sind ganz wenige Fälle. Teilzeitarbeit ist praktisch immer durch das System erzwungen.


Beitrag veröffentlicht

in

,

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0
Would love your thoughts, please comment.x