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Michael Bürkle

Die Mehrheit ist für Klimaschutz – doch kaum jemand weiß das

Klaus Jäger (Scientists for Future) hat mir folgenden Artikel zur Verfügung gestellt. (English version „A majority supports climate action – but hardly anyone knows it“)


Die Mehrheit ist für Klimaschutz
– doch kaum jemand weiß das

Neue weltweite Befragungen zeigen…

Die große Mehrheit der Menschen will mehr Klimaschutz, selbst wenn das mit Kosten verbunden ist. Bis zu 89% fordern von ihren Regierungen wirksamere Maßnahmen gegen die Klimakrise. 69% der Befragten gaben an, sogar bereit zu sein, bis zu 1% ihres Einkommens dafür einzusetzen.

Das Problem

Dennoch besteht ein Problem: Vielen ist nicht bewusst, dass so viele Menschen ähnlich denken. Oft entsteht der Eindruck, Klimaschutz sei nur ein Anliegen einer Minderheit. Diese Fehleinschätzung führt dazu, dass die gesellschaftliche Unterstützung unterschätzt wird und die politische Dynamik ausbleibt.

Die Aufgabe

Die Zahlen machen deutlich: Die Zustimmung zu Klimaschutz ist weltweit sehr hoch. Entscheidend wird nun sein, diese breite Mehrheit sichtbar zu machen, damit Politik und Gesellschaft entsprechend handeln.

Beispiele

In der Kolumne „Die Deutschen haben keineswegs die Nase voll vom Klimaschutz“ fasst Spiegel-Autor Christian Stöcker anhand eines eigenen Erlebnisses einige aktuelle Studien zusammen und verlinkt diese.

Dem „Edelman Trust Barometer“ von 2023  zufolge sagten im Durchschnitt 93% der Befragten in 14 Ländern, darunter China, Indien, die USA und Deutschland: »Der Klimawandel stellt eine ernste und akute Bedrohung für den Planeten dar.«

In einer im April 2025 publizierten Studie  der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit 40.000 Befragten sagten 82% in reichen Ländern und sogar 88% in Wachstumsnationen wie China oder Indien, ihr eigenes Land solle »Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergreifen«.

In einer 2024 erschienenen, in »Nature Climate Change« publizierten Studie mit knapp 130.000 Befragten, repräsentativ für mehr als 90% der Weltbevölkerung, forderten sogar 89% mehr Klimaschutz von der eigenen Regierung. In der gleichen Studie gaben 69% der Befragten an, sie wären bereit, 1% ihres eigenen Haushaltseinkommens zur Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung zu stellen. Interessanterweise ist die Bereitschaft, diesen Beitrag zu leisten, in ärmeren Ländern tendenziell weiter verbreitet als in den reichsten Ländern der Erde.

Im »Peoples’ Climate Vote« des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP)  sagten im Schnitt 80% der 73.000 Befragten in 77 Ländern, ihr eigenes Land solle »seine Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel verstärken«. In Deutschland bejahten das immerhin 67% der Befragten.

Viel mehr noch

Es gibt noch viel mehr solcher Ergebnisse. Sie alle weisen in die gleiche Richtung: Die Weltbevölkerung will mehr Klimaschutz, und zwar schnell.

– – –

Quellen:

Christian Stöcker im Spiegel: www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimaschutz-ist-populaerer-als-gedacht-was-die-studienlage-besagt-kolumne-a-213a074f-2a74-424f-8de5-29ee546ac3b6

OECD-Studie: www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/aer.20230501

Studie in Nature: www.nature.com/articles/s41558-024-01925-3
dazu in Verbindung: www.uni-bonn.de/de/neues/weltweite-befragung-zeigt-breite-mehrheit-der-weltbevoelkerung-fuer-den-klimaschutz

Peoples‘ Climate Vote (UNDP): peoplesclimate.vote/country-results

Eine Übersicht: www.cleanenergywire.org/factsheets/global-surveys-show-peoples-growing-concern-about-climate-change


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Klaus Jäger
Klaus Jäger
8 Monate alt

Ja, absolut – das ist der entscheidende Punkt! Organisiert durch Berlin4Future gibt es inzwischen sogar schon eine 89%-Kampagnengruppe, die sich genau damit beschäftigt. Ein Anfang ist also gemacht!

Jetzt kommt es darauf an, dass sich viele weitere Klima- und Umweltgruppen anschließen, damit wir diese starken Zahlen in die Breite tragen. Denn wenn sichtbar wird, dass die große Mehrheit Klimaschutz will, entsteht echter Druck und Politiker:innen können nicht mehr so tun, als gäbe es dafür keine Unterstützung.

Grüße, Klaus

Eberhard Licht
Eberhard Licht
8 Monate alt

Machen wir es uns nicht zu einfach, wenn wir unsere Verantwortung auf die Politiker abwälzen? Nur etwa 40 Prozent von dem, was die globale Wirtschaft produziert, ist für den wirklichen Bedarf der Menschen. 60 Prozent (geplante Obsoleszenz, Bullshit-Jobs, Mode) dient nur dem Wachstum. Die Wirtschaft wächst jährlich um den Betrag des BIP von Deutschland. Andererseits geht es nicht ohne Wachstum, sonst schrumpfen die Sozialleistungen und es gäbe viele Millionen zusätzlicher Arbeitsloser. Unser Wirtschaftssystem hat sich verselbständigt. Wir müssten bloß einen Weg finden, dieses Wirtschaftssystem zu überlisten. Aber dabei können uns die Politiker nicht helfen, denn ihre Aufgabe ist es, dafür… Mehr »

Horst Sprenger
Horst Sprenger
8 Monate alt

Die Zusammenstellung der Studien / Quellen macht durchaus Mut.

Ich nehme in meiner Lebensumgebung auf der anderen Seite eine große Diskrepanz zwischen einer Absichtserklärung z.B. im Zuge einer Befragung und konkretem Tun wahr.

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Klaus Jäger
Klaus Jäger
8 Monate alt

Vielen Dank Herr Sprenger für den Kommentar. Das Thema ist sehr komplex. Einen guten Einblick in die Spannweite der aktuellen Diskussion in Deutschland – am Beispiel der Energiewende – vermittelt das Dokument „Einmal gestalten bitte: Prinzipien für eine verbindende Energiewende“ (https://www.moreincommon.de/wp-content/uploads/2024/05/more_in_common_impulspapier_energiewende.pdf). Besonders deutlich wird darin, dass Vertrauen ein entscheidender Faktor für das Gelingen von Energiewende und Klimaschutz ist. Im Fazit auf der letzten Seite des Dokuments heißt es: „Allen demokratischen Akteuren sei gesagt, dass sie angesichts dieses Gestaltungs- Imperativs langfristig die Menschen nur dann überzeugen können, wenn sie allesamt starke programmatische Entwürfe entwickeln und die Klima- bzw. Energiepolitik nicht als… Mehr »

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