michael bürkle

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Michael Bürkle

Zuspitzung um Grönland

Wie weit wird Trump 2.0 gehen wollen?

Der Konflikt um die Zuordnung Grönlands – es gehört zu Dänemark, aber Trump 2.0 „will es“ – spitzt sich zu. Ein „Gespräch“ zwischen dem dänischen Außen­minister, der grön­ländischen Außen­ministerin, dem US-Außen­minister und dem US-Vizepräsidenten ist offenbar weit­gehend ergebnislos verlaufen. Das einzige Ergebnis scheint zu sein: „we agree to disagree“. Eventuell ist man sich auch einig, dass es weitere Gespräche benötigt. (Bezeichnend finde ich übrigens, dass hier in einem NATO-internen Gespräch vor allem Außen­politiker:innen sprechen. Man „fremdelt“ schon, und das mit Recht!)

Es stellt sich immer mehr heraus, dass der US-Präsident Trump 2.0 völlig falsch informiert ist. Ihm ist eingeflüstert worden, dass Russland und China Grönland umzingelt haben und es erobern wollen. Und der glaubt das oder tut so als ob; obwohl nichts der­gleichen wahr ist, aber Wahrheit ist unter Trump 2.0 offen­sichtlich keine politische Kategorie mehr. (Psycho­logi­sierende Deutungen der Situation im Hirn des US-Präsidenten nehmen freilich an, dass er Grönland „will“, weil sein Ego Grönland „braucht“. Grönland ist dort fast so groß wie Afrika.)

Gleichzeitig …

Gleich­zeitig schicken einige EU-Länder – Frank­reich, Deutsch­land, Schweden – auf Einladung Grönlands Soldat:innen nach Grönland. Nur sehr wenige; sie sind kaum als „Truppen“ zu bezeichnen, aber sie könnten mit US-GIs zusammen­stoßen. Würde NATO-intern geschossen werden? So weit kann es durchaus kommen. Innerhalb der USA schießen ja auch bewaff­nete staat­liche Einheiten auf friedliche US-Bürger:innen. (Es kann freilich auch sein, dass Trump 2.0 im letzten Moment noch eine Art „Kurve kratzt“.)

NATO gespalten

Ich sehe das Gespräch auf außen­politischer Ebene als weg­weisend: es nimmt eine Ent­wicklung vorweg, die ich kommen sehe und eigentlich bereits als gegeben betrachte: die Spaltung der NATO. Wir brauchen ein euro­päisches Verteidigungs­system – ich habe es bereits „EDO“ genannt für „European Defence Organisation“. Ohne Beteiligung der USA, aber vielleicht mit Kanada und neutralen euro­päischen Staaten. Die französischen, deutschen und schwedischen Soldat:innen in Grönland sind Vorboten dieser EDO.

Ein euro­päisches Verteidigungs­system würde die liberalen Demokratien (zunächst) Europas in einem Beistandspakt schützen; es würde auf Angriffs­kapazitäten weitest­gehend verzichten: „angreifen“ sollte Europa nur mit Demo­kratie & Diplo­matie & Öko­nomie & Öko­logie. In dieser Kombination hätte Europa ein globales Alleinstellungsmerkmal, „a unique selling proposition“.


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