michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Gehaltsabschluss mit Zulagenpaket

Die GÖD ist mit dem Staatsapparat verhabert

Im Oktober 2025 haben sich die Republik und die Beamten­gewerkschaft („Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“, kurz GÖD) auf eine Aufschnürung einer bereits aus­ver­handelten Gehalts­erhöhung geeinigt: bis Juni 2026 keine Gehalts­erhöhung, ab 1. Juli +3,3%, 2027 dann noch einmal +1,0%. Im Durchschnitt wären das +1,5%. Das ist moderat, ein Beamten-Beitrag zur Budget­sanierung, könnte man meinen.

Nun stellt sich heraus: neben dieser Gehalts­erhöhung und scheinbar unabhängig von ihr wurde gleichzeitig auch ein neues Zulagen­system für „freigestellte Personal­vertreter und Personal­vertreterinnen“ beschlossen. Dieses Zulagen­system bringt den Vertreter:innen der Beamt:innen einige saftige Gehaltserhöhungen: bisher „hätten freigestellte Lehrer­personal­vertreter […] bis zu 800 Euro monatlich als Zulage erhalten. Mit dem neuen System seien es bis zu 3.000 Euro. Einzelne Personal­vertreter würden nun 9.000 Euro brutto Monatsgehalt beziehen“.

Das „aufgebesserte“ Zulagen­system entspricht in seinem Gesamt­kosten sicher nicht den Einsparungen, die die Republik mit den Beamten­gehältern erzielt hat. Insgesamt haben die Beamt:innen also zu Einsparungen beim Budget beigetragen. Dass aber ausgerechnet die Vertreter:innen der Beamten diese Einsparungen durch Zulagen mehr als nur kompensiert bekommen, macht ein verdammt schlechtes Bild. Das sieht danach aus, als ob sich die Republik die Zustimmung der GÖD erkauft hat – bzw. dass die GÖD-Funktionäre käuflich waren.

Wo sind die Fehler im System?

Die Regierung ist zu einem guten Teil „schwarz“; die Beamten­gewerkschaft ebenfalls. Und Beamten­gewerkschaftler sind oft auch leitende Beamte, Chefs sozusagen. Du bist z.B. Lehrer, dein Direktor ist als Gewerkschafts­fuktionär einer­seits dein Vertreter und andrer­seits dein Vorgesetzter. Das ist relativ üblich; ich könnte Fälle namentlich benennen. Die Beamt:innen machen in Summe den Staats­apparat aus; die Vertreter der Beamt:innen sind von ihrer beruflichen Tätigkeit oft „freigestellt“ – sie arbeiten also scheinbar nur mehr für die Gewerkschaft bzw. die Personal­vertretung, üben aber im Staatsapparat system­erhaltende Funktionen aus.

(Die Beamten haben übrigens keine „Kammer“, die sie vertritt. Ihre „Kammer“ ist die staatliche Personalvertretung.)

Meine Erfahrung, meine Schlüsse

Ich war als Lehrer auch Personal­vertreter an meiner Schule. Ich war dafür aber nie freigestellt: ich habe immer voll unterrichtet. Ich habe als „kleiner“ Personal­vertreter an meiner Schule auch keine Zulagen zu meinem Gehalt bekommen; das war alles ehren­amtlich. Zulagen gibt es erst in den oberen Hierarchie­bereichen, wo Personal­vertretung und Staats­apparat miteinander verschmelzen.

Ich war allerdings nie Mitglied der GÖD; mir ist die Verhaberung zwischen Apparat und Gewerkschaft immer problematisch erschienen. Vielleicht war das ein „Fehler“? Direktor bin ich aber trotzdem geworden.

Ich denke, man muss das auflösen: Personal­vertretung und leitende Tätigkeiten im staatlichen System muss man trennen. Umfang­reiche Frei­stellungen sind nicht sinnvoll: die Personal­vertreter:innen sollen weiterhin die Berufsrealität erfahren.

Warum …

Warum erinnert mich das an die saftigen Gehalts­erhöhungen für die Wirtschafts­kammer­funktionäre, die dem damaligen Präsidenten der Wirtschafts­kammer letztlich den Job gekostet haben?


Beitrag veröffentlicht

in

,

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0
Would love your thoughts, please comment.x