Der Sachverhalt
Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) hat auf Auftrag des Innen- und des Justizministeriums einen Rechtextremismusbericht zusammengestellt. Nun soll aus den Erkenntnissen dieses Berichts ein Aktionsplan gegen den Rechtsextremismus entstehen. Das will die Bundesregierung, das wollen m.E. alle vernünftigen Parlamentarier:innen; aber „die FPÖ tobt“, schreibt der Standard. Sie will das gar nicht und kritisiert das heftig. Sie sieht da einen Angriff auf „patriotische Bürger“. Das ist selbstverständlich Unsinn und ein absichtliches oder unabsichtliches „Missverständnis“.
Begriffliches
Zunächst zur begrifflichen Klarstellung.
Rechtsextremismus bedeutet immer auch eine Ablehnung der Demokratie; diese Ablehnung ist historisch leicht erklärbar. Das kommt dann auch in Taten bzw. Straftaten zum Ausdruck, die durch den Bericht dokumentiert werden und durch die Menschen bedroht werden. Insofern muss Rechtsextremismus immer auch staatlich beobachtet und bekämpft werden. Das hat mit der Einschränkung von Meinungsfreiheit nichts zu tun – das wollen auch Politiker aus dem Tross von Trump 2.0 nicht verstehen.
Patriotismus ist etwas ganz anderes: es ist primär die Liebe zum Vaterland. Der Patriotismus ist nicht per se undemokratisch oder „rechts“ oder gar „rechtsextrem“. Allerdings verwenden viele Rechtsextreme den Patriotismus als Tarnbegriff: man kaschiert die Abwertung oder Missachtung anderer Menschen / Länder / Nationen / Religionen / „Rassen“ als „Liebe zur Heimat“ – was Unsinn ist, aber so leicht zum Rassismus führt und undemokratisch wird.
Die FPÖ will es nicht verstehen
Die Verfolgung rechtsextremer, also demokratiefeindlicher Straftaten mittels eines Aktionsplans richtet sich nicht gegen patriotische Bürger:innen. Aber sie richtet sich auch gegen Bürger:innen, die unter dem Deckmantel von Patriotismus Straftaten gegen andere Menschen begehen: gegen Menschen anderer „Rassen“ (wobei der biologische Begriff Rasse auf Menschen sowieso nicht anwendbar ist), anderer Religionen, anderer geschlechtlicher Orientierung usw.
Die FPÖ will das anders sehen. Sie spricht von einem „Feldzug gegen die politische Opposition und die eigene Bevölkerung“. Dies sei „der weitere Versuch, die Meinungsfreiheit in Österreich einzuschränken“. Das ist blanker Unsinn. Es geht um politisch motivierte Straftäter:innen; die FPÖ ist nur betroffen, wenn sie solche beherbergt. Es geht auch nicht gegen die Meinungsfreiheit, aber gegen die Verbreitung nachweislich falscher Behauptungen oder Lügen. „Es hat keinen Holocaust gegeben“ ist keine Meinung, sondern eine gefährliche Lüge. „2+2=5“ ist auch keine „Meinung“.
Warum will es die FPÖ nicht verstehen?
Die FPÖ stammt aus den Ausläufern des Nationalsozialismus und hat antidemokratische Wurzeln. Viele FPÖ-ler:innen halten immer noch wenig von der Demokratie; sie sehen demokratische Strukturen – in uraltem NS-Slang – als „Quatschbuden“ und brauchen den Patriotismus als halbwegs neutralen Tarnbegriff. Es ist sehr verräterisch, dass die FPÖ von einem Aktionsplan gegen den Rechtsextremismus nichts hält und sog. „Patrioten“ schützen will. „Patrioten“ im positiven Sinn gibt es in allen Parteien, und nicht alle FP-Funktionär:innen sind rechtsextrem und schon gar nicht alle Wähler:innen, aber mindestens ein Klüngel in der Parteiführung ist weit, weit rechts und alles andere als patriotisch.
Extremismen
Das Vorgehen gegen Rechtsextremismus ist in gewissem Sinn ganz ähnlich gelagert wie die Bekämpfung des Islamismus, der auch antidemokratisch und im weiteren Sinn rassistisch und gewaltbereit ist. (Der Islamismus ist nicht der Islam: der Islam ist eine anerkannte Religion in Österreich. Der Islamismus ist das Bestreben, den Staat nach moslemischen Prinzipien als „Kalifat“ einzurichten und das demokratische Recht durch die moslemische Scharia zu ersetzen. Das könnte als Massenerscheinung für den Staat gefährlich werden. Das muss man beobachten und bekämpfen.)
Und dann gäbe es – zumindest in Deutschland – noch einen Linksextremismus. Er will die Demokratie nicht abschaffen, sondern ausbauen. Insofern sehen Linksextreme in unserer Demokratie Mängel, an denen man arbeiten muss, die man auflösen muss. Sie wollen die Demokratie nicht abschaffen, sondern verbessern, radikalisieren. Da gehöre ich womöglich auch dazu.
Gewalttätig werden in ihren extremen Ausprägungen der Rechtsextremismus und der Islamismus; in beiden Fällen gehört das zur Ideologie. Gewalttätige „linksextreme“ Gruppen – in Deutschland gibt es da heute z.B. sog. „Vulkangruppen“ – unterliegen meines Erachtens immer einem fundamentalen Missverständnis: wer z.B. durch eine Sabotage an Stromleitungen für mehrere Berliner Stadtviertel die Heizungen stilllegt und Tausende Wohnungen im Winter auf kalt stellt, weil er auf die „Mängel des Kapitalismus“ hinweisen will, vertritt nicht die Anliegen der arbeitenden Bevölkerung oder eines Proletariats und ist nicht links, sondern ein Narr. Oder der Agent einer ausländischen Macht.
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