Tödliche Verletzungen
In der Haftanstalt Hirtenberg ist ein Häftling, der zu einer Untersuchung in eine psychiatrische Abteilung eines Spitals überstellt werden sollte, mit schweren Verletzungen zu Tode gekommen. Gegen Justizbeamte wird ermittelt: „Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt gegen zwölf an dem Vorfall Beteiligte wegen «Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnützung einer Amtsstellung» […]“
Wie kann es zu so einem Vorfall kommen?
Nun berichtet der Standard, dass Experten anhand des Falls auf sehr problematische Zustände in den österreichischen Gefängnissen hinweisen:
Der Strafvollzug werde – unabhängig vom konkreten Anlassfall – „zur Gefahrenzone“.
Zu- und Umstände
Der Standard lässt den Experten Wolfgang Gratz zu Wort kommen: dieser ist FH-Professor, war Leiter eines Gefängnisses, ist in der Leitung des Vereins Neustart und arbeitet u.a. als Koordinator des Netzwerks Kriminalpolitik. Als solcher hat er Justizministerin Anna Sporrer ein Positionspapier übermittelt.
Nach diesem Papier ist einer der Gründe für die problematischen Zustände in der österreichischen Gefängnissen, dass wir in Österreich deutlich mehr Menschen einsperren als etwa in Deutschland oder in der Schweiz. In Österreich haben wir auf 100.000 Einwohner:innen 98 Inhaftierte, in der Schweiz sind es 81, in Deutschland 71.
Das Netzwerk Kriminalpolitik empfielt deshalb als eine relativ schnelle Hilfe für das System Amnestien; genauer „jenen zu einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr Verurteilten die Hälfte ihrer Strafe bedingt auf eine Probezeit von einem Jahr zu erlassen“. So eine Amnestie „bedingt auf eine Probezeit von einem Jahr“ würde ca. 500-700 Häftlinge betreffen; das ist für insgesamt 10.000 ein spürbarer Wert. Sie würde die „heillose Überfüllung“ z.T. beheben; die Lösung aller Probleme wäre das noch nicht: Gebäuderenovierungen und Mängelbehebung bei Ressourcen und Personal sind da noch nicht mitgedacht.
Ich denke, das ist vernünftig. Das wären alles keine schweren Straftäter und es wäre mit einer Probezeit von einem Jahr verbunden. Das scheint mir sinnvoll.
Als weitere Maßnahme empfiehlt das Netzwerk eine Überabeitung des Sanktionensystems. Geldstrafen seien oft nicht eintreibbar und deshalb keine wirkliche Lösung. „Gemeinnützige Leistungen, tagesstrukturierende Maßnahmen, Therapie und Nachbetreuung“ – das seien Werkzeuge, die ein moderner Strafvollzug braucht, so Gratz. Aber auch dafür braucht es Personal und Ressourcen – wir werden investieren müssen.

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