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Michael Bürkle

Ein Dienst an der Gemeinschaft

Tanner erfreut, Bauer hilflos. Dabei könnte man beiden helfen

Verteidigungsministerin Tanner (ÖVP) freut sich: der ORF meldet „Leichter Anstieg bei Grundwehr­dienern“ – bei der Anzahl. 2024 haben sich 57% der jungen Männer für den Wehr­dienst entschieden; im Jahr davor waren es nur 54%. Naja: er ist mit (zunächst) 6 Monaten auch kürzer als der Zivildienst, der immerhin 9 Monate dauert.

Die Frage ist, ob das so bleibt. Die Regierung denkt ja jetzt über eine Verlängerung des Wehr­diensts nach.

Die Ministerin für „Europa, Integration und Familie“ (und also auch für Zivildienst) Claudia Bauer (früher Plakolm, immer noch ÖVP) ist weniger glücklich. Sie warnt vor einem Zivildiener­mangel. (Auf den hab ich am 9.7.25 auch schon hingewiesen, in „Mangelberufung Zivildiener“.)

Die Lösung

1. Es gibt m.E. keinen einzigen Grund, den Zivil­dienst länger zu machen als den Wehr­dienst. Das schafft nur ein seltsames Wettrennen um Zeit. Wir brauchen beides; gleichermaßen.

2. Es gibt auch keinen Grund, für einen Dienst an der Gemein­schaft wie Wehr- oder Zivildienst nur Männer heranzuziehen. Wir brauchen Frauen auch im Heer, wir brauchen Männer auch in der Pflege. Wir brauchen auch Menschen, die sich weder als Frauen noch als Männer sehen, in gesellschaftlich relevanten Tätig­keiten. Die Durch­mischung ist wichtig und tut beiden bzw. allen Seiten gut. (Das sieht auch die ehemalige Außen­ministerin Ursula Plassnik (ÖVP) so.)

3. Es gibt nicht nur Wehr- und Zivildienst; man sollte auch Formen des Sozial­diensts – wie das als „freiwilliges soziales Jahr“ jetzt schon existiert – in dieses gesell­schaftliche Gemeinschafts­projekt einbeziehen. Auch der Sozial­dienst sollte gleich lang sein und für beide bzw. alle Geschlechter offen sein.

Wir bekommen dann: ausreichend viele und gut motivierte Soldat:innen, Zivil­diener:innen, Sozial­diener:innen. Alle haben dann auch schon „einen Fuß in einer Ausbildung“, die man eventuell noch vertiefen kann.

Länge und Struktur

Ich stelle mir für diesen Dienst an der Gemeinschaft eine Dauer von 8 Monaten vor. Beim Wehrdienst sollte man das strukturieren in Grund­ausbildung und Übungen, also z.B. 6 Monate Grundwehr­dienst (oder weniger) und 2 Monate Übungen (oder dementsprechend mehr). Soldat:innen brauchen dringend Fort­bildung: Waffen­systeme ändern sich, Bedrohungs­lagen ändern sich; es ist lebens­erhaltend, Soldat:innen auf einem modernen Wissens­stand zu halten. Was Soldat:innen sicher nicht brauchen: Leerlauf in der Kaserne.

Das kann bei anderen Diensten ähnlich sein; ich kann mir aber auch vorstellen, einen 8-monatigen Zivil­dienst z.B. „bei der Rettung“ durchziehen zu lassen. Schließlich braucht es da immer eine Einlern­phase. Das soll man mit den Organi­sationen, bei denen man einen Zivil- oder Sozialdienst ableisten kann, regeln.

Ich brauche keine Volksbefragung

Was es für ein gut argumentierbares, gerechtes und ausgewogenes Konzept für einen Dienst an der Gemeinschaft nicht braucht: eine Volksbefragung. Die kann man sich sparen.


Weiter lesen z.B. bei:
Sozialdienst für alle? Ja. vom 18.5.25
Mangelberufung Zivildiener vom 9.7.25
Wehrdienst verlängern? vom 20.1.26
Wehrdienst für wen und wie lange? vom 27.1.26


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