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Michael Bürkle

Hybrides Saufen

Kompromisse kommen manchmal teuer

Viele Menschen brauchen ein Auto – oder glauben das wenigstens. Viele wollen aber die Emission von Treibhausgasen eindämmen, trauen sich aber noch nicht den Umstieg auf ein E-Auto zu. Der Kompromiss: ein Hybrider. Ein Auto mit Verbrennungsmotor und E-Motor. Die Verkaufszahlen sehen gar nicht schlecht aus.

Der Kraftstoffverbrauch wird mit „WLTP“ gemessen: ein einigermaßen realistisches Messverfahren für Verbrauch von Kraftstoff. Man weiß ja: auf dem Papier, im Prospekt des Autoverkäufers sehen die Verbrauchsdaten oft recht „optimistisch“ aus; in Wirklichkeit sind die Autos sehr oft „durstiger“.

Das betrifft vor allem Hybrid-Autos:

Im Alltagsbetrieb sind Plug-in-Hybride sehr viel durstiger als auf dem Papier. Im Schnitt verbrauchen sie etwa das Vierfache des offiziellen Werts, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und anderer Organisationen zeigt.

Das Vierfache!

Während der durchschnittliche Normverbrauch ungefähr bei 1,4 bis 1,6 Litern auf 100 Kilometern lag, waren es den Realdaten zufolge – je nach Berechnungsmethode – zwischen 5,8 und 6,1 Liter pro 100 Kilometer und damit in der Nähe reiner Verbrenner. Entsprechend höher sind CO₂‑Ausstoß und Spritkosten.

(Naja: es kann sein, dass der „durchschnittliche Normverbrauch“ auch schon geschönt war – für den Prospekt. Dann verbraucht so ein Hybrider vielleicht nur das Dreifache.)

Tja: Kompromisse sind sehr oft wichtig, besonders in der Politik. Wenn der Kompromiss aber darin besteht, bei der Auswahl zwischen A oder B auf „A und B“ zu setzen – wie beim Hybrid-Motor, kommt nicht unbedingt etwas Gescheiteres heraus. Es kann auch etwas Gescheitertes sein.

Meine Erfahrungen

Ich bin draufgekommen, dass ich gar kein Auto brauche, auch kein „hybrides“. Oder nur so selten, dass ich mir in der family eines ausleihen kann. car sharing erfüllt alle meine Bedürfnisse. (Wir haben in Innsbruck car sharing „erfunden“: zwei Familien – die Bs und die Gs – haben sich einen Bus geteilt, jahrelang. Das muss so gegen Ende der 80er-Jahre gewesen sein; damals war car sharing völlig neu, keineswegs en vogue.)

Ich bin auch draufgekommen, dass ich keine Gasheizung mehr brauche: ich habe meine Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, die durch Photovoltaik mehr als nur unterstützt wird. Im Dezember hatte meine Wärmepumpe zwar einen ziemlich hohen Stromverbrauch, weil der Kompressor ausgefallen ist. Trotzdem habe ich insgesamt viel mehr Strom erzeugt als verbraucht. (Ich habe dabei gelernt, dass die Straßenkilometer zwischen mir und dem Wärmepumpen-Hersteller nicht allzu viele sein sollten.)

Manchmal sind radikale Lösungen definitiv besser als Kompromisse.


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