Ich habe von Klaus Jäger wieder einen Text aus der Zukunft bekommen: ein Hauch Science Fiction. Er knüpft an „2040: zu spät …“ vom 16.12.2025 an; er positioniert sich 10 Jahre später und ist eine Art optimistische Gegenfolie dazu.
Vielen Dank!
Die unsichtbare Beschleunigung:
Wie erneuerbare Energien die Zukunft formten – ein Rückblick aus dem Jahr 2050
Heute im Jahr 2050 erscheint uns der Einsatz von erneuerbaren Energien fast selbstverständlich. Und doch ist es einer der erstaunlichsten Transformationsprozesse unserer Zeit gewesen. Wer in der Vergangenheit die Nachrichten verfolgte, bekam meist nur Momentaufnahmen zu sehen: den neuesten Preisverfall, neue Rekordzahlen beim Ausbau von Solar- und Windkraft, politische Zielmarken für die nächsten ein oder zwei Jahre. Kaum jemand erkannte, wie stark sich diese scheinbar kleinen Veränderungen über Jahrzehnte hinweg aufaddieren würden.
Erst im Rückblick auf die Jahre zwischen 2025 und 2050 wird sichtbar, was tatsächlich geschah: Die Kosten für erneuerbare Energien fielen drastisch, ihre Effizienz stieg weiter an, und ihre Nutzung breitete sich weltweit aus. Neue Materialien, verbesserte Produktionsverfahren und vor allem Fortschritte bei der Energiespeicherung verstärkten diesen Trend und machten erneuerbare Energien endgültig zur tragenden Säule der globalen Energieversorgung.
Ein entscheidender Impuls kam dabei aus China. Durch massive Skalierung der Produktion, staatliche Industriepolitik und technologische Optimierungen brachte das Land Photovoltaikmodule in nie dagewesener Menge und zu immer niedrigeren Preisen auf den Weltmarkt. Diese günstigen Module beschleunigten den Ausbau nicht nur in den Industrieländern, sondern machten Solarstrom erstmals auch in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern zur wirtschaftlich attraktivsten Energiequelle.
Gerade in Asien und Afrika entfaltete sich daraufhin eine zweite Phase der Solarrevolution. Dort übersprangen viele Regionen den klassischen fossil geprägten Ausbaupfad und setzten direkt auf dezentrale Solarenergie, Batteriespeicher und lokale Netze. Was zunächst als Lösung für ländliche Elektrifizierung begann, entwickelte sich in den 2030er und 2040er Jahren zu einem zentralen Wachstumsmotor der globalen Energiewende.
Die Entwicklung verlief dabei nicht linear. Sie erinnerte eher an eine Kurve, die lange flach verläuft und dann plötzlich steil ansteigt. Nach Jahren moderaten Wachstums setzte etwa ab Mitte der 2020er Jahre eine deutliche Beschleunigung ein. Technologische Durchbrüche bei Photovoltaik, Windkraft und Batterien führten dazu, dass Fortschritte sich gegenseitig verstärkten. Innovationen blieben nicht mehr auf einzelne Bereiche beschränkt, sie griffen ineinander und lösten eine Kettenreaktion aus.
Je näher die Ablösung fossiler Energieträger rückte, desto schneller wandelten sich auch andere Sektoren. Verkehr, Gebäude und Industrie wurden in immer kürzerer Zeit elektrifiziert und umgebaut. Der Ausbau von günstigem, grünem Strom wirkte wie ein Hebel auf nahezu alle Bereiche der Wirtschaft.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die künstliche Intelligenz: Sie beschleunigte Forschung und Entwicklung, half bei der Entdeckung neuer Materialien, optimierte Produktionsprozesse und verkürzte Innovationszyklen drastisch.
Rückblickend wurde klar, dass diese Wechselwirkungen der Energiewende eine Dynamik verliehen hatten, die viele Zeitgenossen unterschätzten.
Schon 2021 hatte die Organisation Carbon Tracker darauf hingewiesen, welches Potenzial vorhanden war. Ein Bericht zeigte, dass mit der damaligen Technologie theoretisch hundertmal mehr Strom aus Sonnen- und Windenergie erzeugt werden konnte, als weltweit benötigt wurde.
Die Autoren schrieben damals:
„Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe ist vorbei… Die fossile Brennstoffindustrie kann mit den technologischen Lernkurven der erneuerbaren Energien nicht mithalten, so dass die Nachfrage zwangsläufig sinken wird, während Wind- und Solarenergie weiter wachsen. Bei den derzeitigen Wachstumsraten von 15 bis 20% für Solar- und Windenergie werden fossile Brennstoffe bis Mitte der 2030er Jahre aus dem Stromsektor und bis 2050 aus der gesamten Energieversorgung verdrängt sein.“
Zu jener Zeit nahm die Öffentlichkeit davon kaum Notiz.
Die Energiewende geschah nicht in einem einzigen spektakulären Moment, sondern in tausenden kleinen Schritten. Es gab keinen Tag, an dem die Welt plötzlich eine andere war.
Und doch erkennen wir heute, 2050: Gerade diese unscheinbaren, stetigen Entwicklungen schrieben eine der größten Erfolgsgeschichten des 21. Jahrhunderts.
Ich danke Klaus Jäger für diesen SF-Text, diesen Rückblick aus einer nicht gar so fernen Zukunft. Er ist aus meiner Sicht durchaus optimistisch – und hoffentlich auch realistisch.
Aber noch ist nicht 2050.

sehr inspirierend. Ich kann dem Text nur zustimmen. Faszinierende Entwicklungen sind auf dem Gebiet der Energie zu beobachten. Die alten starren Strukturen sind wenig anpasungsfähig. Es entsteht Neues.
Steter Tropfen höhlt den Stein, ein Text der motiviert, gerade in der jetzigen Zeit verdammt wichtig. Vielen Dank für den Rückblick aus der Zukunft
Danke für diese hoffnungsvolle Rückschau. Und es gibt schon viele Menschen, die Lösungen leben. In dem Film Tomorrow- Die Welt ist voller Lösungen geht Cyril Dion auf eine Reise rund um den Erdball und besucht erfolgreiche Umsteiger in Bereichen Landwirtschaft, Bildung, Ökonomie und Energie. Der Film ist schon 10 Jahre alt, aber aktueller denn je. Sehr inspirierend!
Höhepunkte der globalen Energiewende im Jahr 2025
Dieser Jahresendkommentar fasst die wichtigsten Erkenntnisse von Ember bis 2025 zusammen und zeichnet nach, wie sich saubere Elektrizität ausbreitete, wo neue Wachstumszentren entstanden und wie Technologien wie Batterien und Elektrotechnik die globale Energiedynamik veränderten. In Englisch.
https://ember-energy.org/latest-insights/highlights-of-the-global-energy-transition-in-2025/
second great acceleration: der Abschied von Öl und Gas hat begonnen, der von Kohle läuft ohnehin schon länger (fast ganz Europa, USA). Die besten Aktien der letzten Tage: BYD und Nordex – neue 7 MW-Windkraftanlage für Schwachwind – also Standorte, die bisher unrentabel waren… und auf der anderen Seite regelbare Speicher: Wärmepumpe mit Puffer und E-KFZ. Alleine eine 100% Umstellung auf WP wird große Strommengen frei machen, die derzeit in Warmwasser-Erzeugung (ineffizienter geht nicht mehr) und Stromdirektheizung (19% der Wohnfläche DE) verschwendet werden. Beispiel: Gründerzeitaltbau schlecht saniert (1908), wegen West-Ost-Fassade keine solaren gewinne im Winter. Mit Grundwasser-WP weniger Strombdearf als… Mehr »