michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Schlagende „Argumente“ in Wien

Vorgestern im „Gedenken“ an Ali Chamenei

Laut Medienberichten nahmen am Mittwoch abends „mehrere hundert“ Personen in Wien-Floridsdorf im Islamischen Zentrum Imam Ali an einer Gedenkveranstaltung für Chamenei teil. Auf der anderen Straßenseite fand zugleich eine Demonstration von Gegner:innen des islamistischen Regimes statt. Die Polizei hielt die beiden Gruppen auseinander.

Nach 20 Uhr „machten sich immer mehr Teilnehmer auf den Heimweg, auch die Zahl der Demonstrierenden verringerte sich im Lauf des Abends“. Laut dem Polizeisprecher wurde gegen 21.30 Uhr der Polizeieinsatz beendet. „Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch wenige Kundgebungsteilnehmer vor Ort, die Gegenstände wegräumten“.

Alles gut so weit, …

aber:

Doch wenige Minuten später musste die Polizei erneut zum Kundgebungsort ausrücken. Sowohl Dutzende Teilnehmer der Veranstaltung als auch der Kundgebung waren zum Veranstaltungsort zurückgekehrt, wo es schließlich zu der Massenschlägerei kam. Rund 70 Personen prügelten laut Polizei mit Holzlatten und Stöcken aufeinander ein.

Offenbar haben die Gruppen vor allem auf das Abziehen der Polizei gewartet, um sich dann noch einmal „in iranischer Form“ zu begegnen.

Fotos und Videos in den sozialen Medien zeigten [bereits] am Mittwoch unter anderem mehrere mit Holzlatten und Stöcken bewaffnete Männer mit Iran-Fahnen vor dem Islamischen Zentrum umherstreifen sowie teils blutüberströmte am Boden liegende Personen.

Sieben Personen mussten im Spital versorgt werden.

Was zeigt uns das?

Ich bin unsicher, ob die Situation in Wien etwas „beweist“, aber es scheint:

Innerhalb der iranischen Bevölkerung und sogar in der iranischen Diaspora gibt es diametral entgegengesetzte Meinungen zur Bedeutung und Wirkung der iranischen Theokratie unter Ali Chamenei. Die Gegensätze sind so tief und scharf, dass eine „Diskussion“ unter den Vorzeichen einer Demokratie kaum möglich ist; man sucht förmlich die gewalttätige Begegnung – oder besser Gegnerschaft, Feindschaft. So lange eine mitteleuropäische (hier: die österreichische) Polizei da ist, geht man sich aus dem Weg und wartet den Abzug der Polizist:innen ab; dann aber …

Der Iran ist offenbar maximal zerrissen und die Gruppen stehen einander derzeit noch unversöhnlich gegenüber. Wie da eine staatliche Reform gelingen kann, kann ich mir kaum vorstellen.


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