michael bürkle

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Michael Bürkle

Das Schönfärben von Wassermangel

Den Alpen wird das Trinkwasser ausgehen

Seit Jahren mache ich darauf aufmerksam, dass das Abschmelzen der alpinen Gletscher – das nachgewiesen ist – zu einem Verlust von Trinkwasser in den Alpen­bächen und Alpen­tälern führen wird. Man hat mich lange vertröstet: mit dem Trinkwasser habe die Gletscher­schmelze nichts zu tun.

Vorboten gab es aber genug: in speziell trockenen Sommern hat man schon mit Tankwagen Trinkwasser in Bergtäler geführt.

Das Abschmelzen der Gletscher führt natürlich nicht sofort zu Trinkwasser­verlust. Solange noch was schmilzt, ist Wasser da: vielleicht mehr als davor. Erst wenn alles Eis weg ist, kommt kein Schmelzwasser mehr nach und unsere Alpenbäche sind dann auf das Wasser angewiesen, das gerade geregnet wurde. Und das kann jämmerlich wenig werden.

Im ORF-Artikel „Weniger Wasser in den Alpen: Anpassungen notwendig“ , erschienen mit einem schönen Bild eines grünen Gebirgstals mit Gletschereis auf Bergen im Hintergrund, wird das schon im Titel schöngefärbt:

Mit „Anpassungen“ wird man auf einen Wassermangel schlecht reagieren können: ein Mangel ist ein Weniger oder ein Zu-Wenig, Anpassung hin oder her.

(Sie können einen Blick in die Zukunft werfen, indem Sie sich das Bild „anpassen“. Denken Sie sich das Grün im Vordergrund und das Gletscherweiß im Hintergrund weg … Das wäre dann die Zukunft.)

„Anpassungen“

Was wird unter „Anpassungen“ verstanden? Tja: „das Identi­fizieren neuer Wasser­quellen“. Neue Quellen machen aber nicht mehr Wasser. Sie verteilen es nur anders.

Zwei Zwischenüberschriften machen auf wesentliche Aspekte aufmerksam:

  • Schneemenge wird weiter abnehmen
  • Nullgradgrenze verschiebt sich nach oben

Ja, eh. Wissen wir. Erfahren wir täglich.

Der Minister

Am Schluss muss natürlich „Umweltminister“ Totschnig (ÖVP) zu Wort kommen:

Wir setzen seit vielen Jahren gezielt Maßnahmen, um jeden öster­reichischen Haushalt auch künftig mit ausreichend Trinkwasser versorgen zu können

Gezielte Maßnahmen zur Versorgung der Haushalte wären eine gute Idee – wenn denn genug Wasser da wäre. Ohne ausreichende Menge Wasser werden die Haushalte aber eindeutig zu wenig bekommen.

Oder über „Anpassungen“:

etwa durch eine stärkere Vernetzung der Versorgungs­systeme; durch eine angepasste Steuerung von Stauseen, um Wasser bestmöglich zu nutzen; und durch die Identifikation alternativer Wasserquellen für Infrastruktur im Hochgebirge, die bisher auf Gletscherwasser angewiesen ist

Das ist ja „nett“, aber so ein „nett“ ist halt doch „die kleine Schwester von scheiße“. Das löst keine Probleme. Die Probleme sind sehr wenige: es ist nur eines: der menschen­gemachte Klimawandel. Und dem ist Totschnig hilflos ausgeliefert, weil er kein Umwelt- oder Klimaminister ist, sondern bloß ein Bauernvertreter in der Regierung.

Hat Totschnig aufgegeben?

Hat Minister Totschnig den „Kampf“ – oder wenigstens „ernste Maßnahmen gegen den menschengemachten Klimawandel“ – aufgegeben?

Nein. Man kann nichts aufgeben, was man nie angefangen hat. Totschnig ist ein Bauernvertreter und solange österreichische Bauern Dieseltraktoren fahren, wird Totschnig für das Dieselprivileg sein, eine uralte Maßnahme, die man im Sinne des Klimaschutzes schon längst einkassieren hätte müssen. Aber was meint die Bauernzeitung, die Totschnigs Meinung diktiert, am 28.8.2024: „Kein Rütteln am Dieselprivileg“.

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