michael bürkle

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Michael Bürkle

Wetten, Glück und Politik

Über Zusammenhänge

Man kann (in Österreich) „reines“ Glücksspiel betreiben: Lotto z.B., oder Roulette (in Casinos). Man kann auch auf bestimmte Ereignisse wetten, z.B. als „Sportwette“: auch online. Ob Sportwetten „reine“ Glücksspiele sind, ist rechtlich nicht völlig geklärt. Derzeit gilt: „Sportwetten zählen in Österreich zu den Geschicklichkeitsspielen, nicht zum Glücksspiel – entgegen der wissenschaftlichen Evidenz.“

Ob Sportwetten – die einfachste ist „Toto“ – zu den Glücksspielen gehört, ist also umstritten; bis Sommer soll innerhalb der Regierung eine Einigung erfolgen. Eingefleischte Sportwetter glauben aber sowieso, dass ihre Fachkenntnis ihre Gewinnchancen verbessert, dass es also um Geschicklichkeit geht.

Aber wenn man sich ansieht, worauf man wetten kann, kommen mir große Bedenken. Man kann nicht nur auf Sieg oder Niederlage wetten, man kann auch darauf wetten, ob in einem unter­klassigen Fußballspiel ein Spieler nach der 80. Spielminute ausgeschlossen wird oder nicht. Ob es ein Handspiel geben wird. Oder was auch immer! Dann geht es nicht mehr um Glück oder vielleicht doch Geschick­lichkeit bzw. „Ahnung“, dann geht es um Insiderwissen. Die Sportler:innen selbst dürfen ja an sich nicht wetten und müssen – wenn, dann – Umwege (er-)finden – über einen Freund, die Schwägerin etc. als Mittelspersonen. Aber wenn ich als Spieler (oder Spielerfrau) eine Wette darauf abschließe, dass ein bestimmter Spieler nach der 80. Spielminute ausgeschlossen wird oder ein Handspiel begehen wird, dann kann ich das Ereignis eventuell erzeugen, wenn ich den Spieler sehr gut kenne (bzw. es sogar bin.)

(Immer, wenn es mir gelingt, etwas, das nicht Zufall ist und ich beein­flussen kann, als Zufall aussehen zu lassen, kann ich darauf wetten und mit Sicherheit gewinnen.)

So weit die noch einigermaßen harmlose Theorie. Es gibt das auch als Praxis – immer wieder verplappert sich jemand. Und ich würde Sportwetten deshalb weder als Glücks­spiel noch als Geschick­lichkeits­spiel werten, sondern als potenzielle, moderne Form der Straßen­räuberei. Und verbieten – wenn nicht die Gefahr bestünde, dass das dann in eine gesellschaftliche Grauzone abdriftet und gar nicht mehr kontrollierbar wäre.

Um viel mehr Geld geht es aber …

Um viel mehr (als) Geld (sondern auch um Menschenleben) geht es aber, wenn man auf internationalen Wett-Plattformen auf politische Ereignisse wetten kann. Und das kann man; es gibt solche Plattformen. Wenn man aus irgend­welchen Gründen weiß, dass die USA am 28.2. den Iran angreifen werden, kann man kurz davor eine hohe Wette darauf placieren. Wie viele Personen können so etwas wissen? Naja: so an die 10 können es vielleicht sein.

Und das passiert offensichtlich! Am 27. März hat der Standard gemeldet: „Insidertrading: Polymarket-User schloss verdächtig genaue Wetten auf Iran-Krieg ab“. (Oder in „Capital“ am 30.3.: Verdächtig gutes Timing: Börsenwetten auf Trumps Politik alarmieren Experten.“) Ja, als politischer Insider kann man auf internationalen Wettbörsen viel Geld gewinnen. Und offensichtlich passiert das auch.

Kann das sogar die Ursache für einen Krieg werden? Ich denke ja. Wir können nicht nur Geld verdienen, indem wir von einem Ereignis wissen; wir können auch Geld verdienen, indem wir entsprechende Ereignisse erzeugen. Etwa so:

Du brauchst Geld, Pete? Okay, ich auch. Lass uns einen kurzen Krieg beginnen. Daran glaubt im Moment noch niemand. Placierst du die Wette?

Verdacht

Ich habe die derzeitige US-Regierung Trump 2.0 und ihr Umfeld im Verdacht, politisch orientierte Wetten zur persönlichen Bereicherung zu verwenden. Das würde auch die erratische, scheinbar unberechenbare, dem Zufall ähnliche bzw. widersinnige Politik zum Teil erklären. Auch die Aktivitäten der israelischen und der russischen Regierung wären für Insider hervorragend geeignete Wettobjekte. Mit sehr guten Beziehungen zur Hamas hätte man am 6.10.2023 einige sehr einträgliche Wetten abschließen können. Vielleicht wissen Wettbüros in der arabischen Welt Genaueres.

Ich halte es für möglich, dass manche Regierungen mit international tätigen Wettbüros „verhabert“, also verflochten sind. So wie (z.B.) österreichische Regionalliga-Fußballer mit ihrem Freundeskreis. Nur geht es in der Regionalliga um andere Beträge.

Ich würde Wettbüros, die Wetten auf politische Ereignisse annehmen, verbieten. Das kann man auch kontrollieren. Über andere Wetten muss man sich Gedanken machen: was ist noch verantwortbar?


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