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Michael Bürkle

Spart Saudi-Arabien?

Denkt da wer an eine Zukunft ohne Öl?

Sport-Sponsoring

Saudi-Arabien sponsert. Manchmal hat man den Eindruck: praktisch alles. Formel 1, Fußball, Golf … was immer Werbeeinschaltungen generiert.

Doch ein Teil der Sportwelt stutzt plötzlich. „Wüstenbeben: Saudi-Arabien sendet verblüffende Schockwellen“, heißt es dazu bei ntv. Der staatliche Investmentfonds PIF ändert plötzlich seine Strategien. Das Geld fließt nicht mehr ohne Weiteres:

Sportarten, die keine Erfolge vorweisen können, werden fortan wohl knallhart eingestrichen. Im Tennis wurde bereits der Dreijahresvertrag über die Ausrichtung der Endrunde der WTA-Tour in Riad, der im November ausläuft, nicht verlängert.

„Sportarten ohne Erfolge“? Der breite Geldfluss in den globalen Sport hatte offensichtlich den Zweck, für die Saudische Gesellschaft global Akzeptanz zu erzeugen. Das war auch nötig: die menschenrechtliche Situation in Saudi-Arabien ist immer noch höchst problematisch. Aber offenbar ist nicht mehr so viel Geld „flüssig“.

Architektur und Landschaftsplanung

Aber nicht nur im Sport beginnt Saudi-Arabien zu sparen.

„Neom“, ein Siedlungsprojekt im Nordwesten des Landes, in der Nähe des Golfs von Akaba im Süden Jordaniens, war ein Hochglanzprojekt. Sogar ein eigenes Rechtssystem jenseits der Scharia war dafür geplant. Ursprünglich mit ca. 26.000 km² spürbar größer als Niederösterreich, wird Neom in den laufenden Plänen bereits deutlich verkleinert.

Die „Bandstadt“ „The Line“, ein 170 km langes, 200 m breites und 500 m hohes Teilprojekt von Neom, eine Art hypermoderne „schnurgerade“ Öko-Stadt (oder ein hoffnungslos überzogenes Traumgebilde) wurde zwar planerisch begonnen und am 10.1.2021 vom Kronprinzen persönlich präsentiert; am 16.9.2025 zog sich der saudische Investmentfonds PIF aber aus dem Projekt zurück. Es gibt zwar schon nachweisbare Erdarbeiten, aber die Pläne sind schon um Größenordnungen bescheidener geworden. (Bis 2030 wird offenbar nur noch eine Länge von 2,4 km anvisiert.)

Denkt da wer an eine Zukunft ohne fossile Treibstoffe?

Der Reichtum Saudi-Arabiens beruht auf seinem Öl, also auf fossilen Treibstoffen. Die gehen zu Ende: niemand weiß das besser als „die Saudis“ selbst. Auch die saudischen Herrscher erkennen: „nicht alles geht“. Nicht im Sport, nicht in der Staatsentwicklung.

Ich vermute, die saudische Politik hat begonnen, sich allmählich an nachhaltiges Denken zu gewöhnen; das ist neu, das war bisher nicht nötig. Bisher war „alles möglich“.

Lerneffekte?

Man kann von den Saudis vielleicht lernen:

  • Dass es an sich relativ leicht ist, mit großen Plänen große Eindrücke zu erzeugen. (Das wissen auch manche österreichischen „Investoren“.)
  • Dass es doch sinnvoll ist, Grenzen frühzeitig zu erkennen und es sinnvoll sein kann, allzu hochtrabende Pläne zu adaptieren oder einfach zu verwerfen.
  • Und dass man an eine relativ nahe Zukunft ohne Öl denken sollte.

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