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Michael Bürkle

KI und Arbeit

Was macht KI mit Arbeitsplätzen?

Seit jeher gibt es „spannende“ technische Entwicklungen, die die menschliche Arbeit und Arbeitsplätze verändern. Die Dampfmaschine war so was, das Fließband ebenfalls, der Einsatz des PCs am Arbeitsplatz war so etwas, der Einsatz des Internets auch; jetzt geht es um die KI.

Der ORF berichtet heute: „Rasanter Ersatz von Jobs durch KI“. Wen trifft es? Zunächst die Angestellten von Datenverarbeitungskonzernen:

Der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta will fast zehn Prozent seiner Belegschaft kündigen. Wie am Donnerstag aus einem internen Schreiben von Personalchefin Janelle Gale hervorging, sollen mit Stichtag 20. Mai 8.000 Beschäftigte gekündigt werden. Zudem will Meta 6.000 derzeit unbesetzte Stellen nicht mehr besetzen. Begründet wurde die Maßnahme mit dem Ziel einer „effizienteren“ Unternehmensführung. Eine zentrale Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz (KI).

Meta / Facebook / Instagram baut ca. 20% der Arbeitsplätze ab! (10% gekündigt, etwa gleich viel nicht wieder eingestellt.)

Ja, KI kann dafür sorgen, dass Vieles plötzlich sehr viel schneller geht und dass deshalb viel weniger Personal für die gleiche Arbeit gebraucht wird. Das „I“ – das „Intelligente“ an der KI – ist nichts als Geschwindigkeit beim Absuchen von Textdatenbanken nach Texten. KI kann nicht entscheiden, ob das, was sie findet, „klug“ ist; aber sie hat es gefunden. Was KI findet, ist nicht unbedingt gescheiter, gerechter oder sozialer als menschliche Ergebnisse, aber tendenziell schneller. Die KI-Programmierer:innen bei Meta haben sich in die Überflüssigkeit programmiert – zum Teil. Manche, wenige wird es weiterhin brauchen.

Das wird mittelfristig viele Berufsgruppen betreffen. Man kann KI Diagnosen absuchen lassen, um zu neuen Diagnosen zu kommen. Ein Arzt, eine Ärztin kann dann viel mehr Patient:innen betreuen. Dass die Betreuung deswegen besser wird, ist keineswegs gesagt. Ja, durch KI werden auch Mediziner:innen arbeitslos werden. Pflegepersonal? Eher nicht. Das ist Kopf- und Handarbeit in einem.

Man kann KI Unterrichtsprogramme absuchen lassen, um zu neuen Unterrichtsprogrammen zu kommen. Man kann Prüfungsaufgaben erzeugen lassen. Da kann dann eine Lehrerin, ein Lehrer viel mehr Schüler:innen oder Studierende betreuen. Ob der Unterricht dann besser ist, ist keineswegs gesagt. Ja, durch KI werden auch Lehrer:innen arbeitslos werden. Oder es gibt statt 40 Lehrer:innen nur mehr 5 und dazu ein paar Hilfslehrer:innen.

Man kann mit KI auch handwerkliche Tätigkeiten ausführen lassen – wenn man sie mit Roboterarmen kombiniert. Usw. usf.

Was macht KI mit Arbeitsplätzen? Viele Arbeitsplätze werden wegrationalisiert; manche werden „entlastet“ und manche vielleicht sogar „aufgewertet“.

Was ist zu tun?

Wir können als Gesellschaft verschieden darauf reagieren. Tendenziell sehe ich zwei Möglichkeiten.

Entweder bauen wir das Sozialsystem so aus, dass wir sehr viele Arbeitslose noch notdürftig versorgen können. Wir verwalten die Verelendung.

Oder wir verteilen die nach dem Einsatz der KI noch verbleibende Arbeit anders, nämlich gerecht. Wenn – nur zum Beispiel – vor KI 10 Arbeitskräfte je 40 Stunden pro Woche gearbeitet haben, insgesamt also 400 Stunden (pro Woche) und wenn nach Einsatz der KI es 200 Stunden weniger sind, weil die KI das einspart, dann verteilen wir eben die restlichen 200 Stunden auf die bisherigen 10 Arbeitskräfte. Pro Kopf sind das dann nur mehr 20 Stunden (pro Woche). Arbeitszeit „fair-teilen“.

Das muss mit mehr oder minder vollem Lohnausgleich geschehen, weil ja die Preise für die Produkte, die man zum Leben braucht, nicht unbedingt sinken werden. Produkte werden durch den Einsatz von KI vielleicht sogar teurer, weil erstens die KI-Konzerne die KI teuer verkaufen und weil die KI zweitens entsetzlich viel Strom verbraucht.

Die Gefahr

Es besteht die große Gefahr, dass durch KI einige wenige extrem reich werden und sehr viele sehr arm. (In Ansätzen sieht man das schon. Weltweit!) Das kann und muss durch ein geeignetes Steuersystem ausgeglichen werden: wir müssen das „steuern“, also „be-steuern“. Wer beschließt dieses Steuersystem? Wir ganz normalen Menschen. Wir müssen nur richtig wählen.

KI kann uns viel Nervtötendes abnehmen und es uns bequemer machen. Wenn es dabei bleibt und wir die nicht nervtötende Arbeit, für die weiterhin Menschen zuständig sind, gerecht fair-teilen, kann das ganz nett werden. Wir brauchen halt sehr viel Strom dafür.


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