45 Planeten bewohnbar!?
Heute ist die Wissenschaftsredaktion des ORF mit einem Artikel über 45 Exoplaneten online gegangen. „Auf diesen 45 Planeten könnte es Leben geben“, da haben die Redakteur:innen einen plakativen Titel gewählt.
Leider sind im Artikel praktisch keine Entfernungsangaben zu finden, außer einer:
Vier davon liegen in der habitablen Zone. Trappist-1 liegt etwa 40 Lichtjahre von der Erde entfernt, in Weltraummaßstäben ist das nahe.
Im Hintergrund schwebt natürlich die Frage nach Außeridischen und nach einer Kommunikation mit ihnen. Sind wir allein im Universum?
Die „habitable Zone“
Der Artikel geht von der Annahme aus, dass ein bewohnbarer Planet in einer bewohnbaren („habitablen“) Zone liegen muss. Er muss Wasser haben und Kohlenstoff; er sollte also seiner Sonne nicht allzu nah sein – sonst wird es für Wasser zu heiß und es verdampft – und nicht allzu weit weg – sonst wird es für Leben und biochemische Reaktionen zu kalt.
Das ist im Großen und Ganzen einleuchtend, schließt aber Lebensformen, die nichts mit Wasser und Kohlenstoff zu tun haben, aus. Aber es gibt im Weltall halt nur 92 Elemente und die chemisch-physikalischen Gesetze sind überall dieselben – nimmt man an. Es kann also nicht wirklich Leben in völlig anderer Logik geben.
Also: wir wissen heute von ungefähr 6.000 Planeten um andere Sonnen, von denen nur (!!!) 45 in habitablen Zonen liegen. Also: 45 „Ausweichquartiere“ für „Notfälle“?
Ich weiß es!
Ich bin mir völlig sicher, dass es im Weltall noch eine hohe Anzahl von Planeten mit Leben gibt. Es gibt einfach Milliarden Sonnen und geeignete Planeten. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es da auch (mehr oder weniger) intelligentes Leben gibt. (Es fragt sich eher, wie intelligent das Leben auf unserer Erde ist. Wenn ich an manche unserer derzeitigen Staatenlenker denke, kommt mir der Intelligenzgrad unserer Spezies eher extrem schwach vor: strohdumm.)
ABER: die einzige Entfernungsangabe, die der Artikel bietet, sind die 40 Lichtjahre zum Planeten Trappist-1. Es gibt auch Exoplaneten, die deutlich näher liegen: man kann das in einer Wikipedia-Liste nachschlagen, der „Liste der nächsten extrasolaren Systeme“. Die nächsten sind da bereits bei Proxima Centauri, dem nächsten Stern nach der Sonne, mit „nur“ ca. 4,25 Lichtjahren Abstand. Aber die sind nicht wirklich habitabel.
Das heißt: habitable Exoplaneten liegen einfach sehr sehr sehr weit weg. 40 Lichtjahre heißt: allein das Licht braucht von uns zu diesem Planeten (oder umgekehrt) 40 Jahre. Jedes Funksignal braucht 40 Jahre – und schneller geht es nicht. Da ist Kommunikation nicht wirklich möglich. Wollen wir ein Signal senden (in welcher „Sprache“ auch immer?) und frühestens in 80 Jahren eine Antwort erwarten? Nein, das wird niemand wollen und können und durchhalten. Und eine Raumfahrt dorthin für Menschen: undenkbar! Wahrlich: „nie im Leben!“
de iure ja, de facto nein
Also: ich bin mir absolut sicher, dass wir „de iure“, also theoretisch nicht allein im Weltall sind; es gibt sicher auch mehr oder minder intelligentes Leben im Universum, womöglich deutlich intelligenteres als hier bei uns. Aber: das Universum ist einfach zu groß, viel zu groß. Also sind wir „de facto“, praktisch mutterseelenallein. Wir müssen allein zurechtkommen, und wir müssen unseren Planeten als Lebensraum erhalten und schützen: es ist der einzige, der uns für die nächsten 5-6 Milliarden Jahre noch zur Verfügung steht.
