Der Fall
Der (Ex-)Generaldirektor des ORF Roland Weißmann ist wegen Anschuldigungen eines sexuellen Missbrauchs zurückgetreten. Die Angelegenheit wird untersucht:
Offenbar gibt es immer noch verschiedene Meinungen darüber, ob die „Beziehung“ zwischen Weißmann und einer Mitarbeiterin „in beider Interesse“ gewesen sei oder ob Weißmann die Mitarbeiterin bedrängt hat.
So weit die Angelegenheit. Unangenehm, kommt leider vor; viele Männer sind leider so. Muss man darauf reagieren, muss man beheben.
Der ORF in Diskussion
Seither wird in vielen Medien über den „Skandal“ – oder gar über „Skandale“ – im ORF diskutiert. Ich finde das völlig daneben. Bloß weil ein Generaldirektor eine Mitarbeiterin belästigt – wie das leider immer noch in tausenden Betrieben passiert, ist nicht das ganze Unternehmen anzuklagen. Der ORF hat mit Ö1 ein einzigartiges, hervorragendes Radio-Programm und auch die Informationsschiene des ORF funktioniert sowohl im Radio wie im Fernsehen sehr gut. Ich bin da sehr zufrieden. Über das Unterhaltungsprogramm kann man sehr verschiedener Meinung sein: es gibt da sehr gutes, mittleres, mäßiges und grottenschlechtes, aber das kommt halt heraus, wenn man ein Sender „für alle“ sein will oder muss. Man muss ja nicht hinschauen.
Gegenwehr
Nun wehren sich viele Mitarbeiter:innen mit der website nichtmituns.net. Derzeit (20.4., 11:00) stehen schon 477 Mitarbeiter:innen mit ihrem Foto dazu, mit Slogans wie
- Parteipolitik im Stiftungsrat?
- Machtmissbrauch im ORF?
- Politische Besetzungen?
- Täterschutz statt Opferschutz?
jeweils gefolgt von „#nichtmituns“.
Leider ist diese Aktion nur eine Einbahn: man kann nicht antworten. Auch das Impressum ist nicht sehr aussagekräftig:
Impressum
Die Redaktionen des ORF
ORF-Zentrum
Hugo-Portisch-Gasse 1
1136 Wien
Ich würde mir wünschen, dass die abgebildeten Mitarbeiter:innen nicht nur mit Foto, sondern auch mit Namen und Funktion da gradestehen: ich erkenne die meisten Leute auf diesen Fotos nicht. Insofern sind die Fotos allein nicht sehr aussagekräftig. (Man kann z.B. keine Radio-Mitarbeiter:innen erkennen.)
