Typische Beispiele
1. Zwentendorf / Dürnrohr
Kernkraft
In der Gemeinde Zwentendorf hat Österreich ab 1972 einmal ein Kernkraftwerk gebaut – und nach einer Volksabstimmung 1978 nie in Betrieb genommen. Das AKW Zwentendorf mag als die „größte Investitionsruine“ Österreichs gelten.
fossiler Strom
Doch in Zwentendorf wurde trotzdem Strom erzeugt. 1987 wurde in Zwentendorf das Dampfkraftwerk Dürnrohr in Betrieb genommen, das in 2 Blöcken für den Verbund und die EVN mit polnischer und tschechischer Kohle Strom produzierte. Immewrhin wurde der Kamin des Kraftwerks mit ca. 206 m Höhe sogar das derzeit dritthöchste Bauwerk Österreichs.
Aber der fossile Brennstoff Kohle war problematisch – aus den heute allgemein bekannten Gründen: Treibhausgase, klimaschädlich. Im August 2019 wurde das Dampfkraftwerk eingestellt.
Solarkraft
Nach dem Dampfkraftwerk wurde „eine der größten Photovoltaikanlagen des Landes gebaut. Sie ging 2024 in Betrieb und liefert mit 35.600 Modulen Strom“. Aber wohin mit all dem Strom? Der nächste Schritt folgt logisch:
Batteriespeicher
„Dürnrohr bekommt Großspeicheranlage“ berichtet der ORF. „Die 16 Speichercontainer haben eine Leistung von je einem Megawatt Strom und eine Kapazität von insgesamt 64 Megawattstunden. Damit können 6.700 Haushalte einen Tag lang versorgt werden.“
Strom wird da in Dürnrohr nicht mehr nur produziert, sondern auch gespeichert und verwaltet, damit er möglichst schnell bei Bedarf ins Netz befördert werden kann.
Eine Geschichte zunehmender Klugheit
Zwentendorf / Dürnrohr begann gedanklich mit Atomkraft; noch während dieses ersten Schritts wurde Österreich klüger. Es folgte ein Dampfkraftwerk mit hohen Turm; trotzdem wurde der fossile Brennstoff Kohle altmodisch. Photovoltaik ersetzte ihn, und beim Batteriespeicher, der jetzt kommen wird, geht es gar nicht mehr um die Produktion von Strom – die „geschieht heute auf jedem Hausdach“ (leicht übertrieben), sondern um die Verwaltung und Vermittlung der entstandenen Elektrizität.
2. USA
Kalifornien, Lake Tahoe, Nevada
Der Energieversorger NV Energy hat ca. 50.000 Kund:innen davon informiert, dass er sie ab Mai 2027 nicht mehr mit Strom beliefern wird. Der Grund ist einfach: Laut einem Bericht des Magazins Fortune benötigt NV Energy den Strom ab 2027 in Nevada für den Betrieb von Rechenzentren. („NV Energy“ ist so etwas wie die TiWAG Nevadas.)
Dem Bericht zufolge hat sich der Norden von Nevada zu einem der am schnellsten wachsenden Standorte für Rechenzentren in den Vereinigten Staaten entwickelt. Google, Apple und Microsoft haben demnach entweder bereits Anlagen errichtet oder planen solche.
Bei den Menschen vor Ort kommt das nicht gut an: „Es ist, als würden wir nicht existieren“, fasst eine Bewohnerin ihre Gefühle zusammen.
KI
Der Fall stehe …
… exemplarisch für die Auswirkungen des Booms der Künstlichen Intelligenz in den USA, der zu einem riesigen Bedarf an Rechenzentren führt. Diese haben einen enormen Energieverbrauch, was die Strompreise für die Bürger in die Höhe treibt.
Im massiven Ausbau von Kraftwerken für KI-Rechenzentrum scheint allerdings ein erhebliches Protestpotenzial zu liegen:
Laut einer Umfrage der Quinnipiac University lehnen 65 Prozent der US-Bürger ein KI-Rechenzentrum in ihrer direkten Nachbarschaft ab.
Eine Geschichte zunehmender Dummheit?
Viele wollen zwar KI (?), aber viele wollen auch keine KI-Rechenzentren in der Nähe und natürlich nicht ihre Stromversorgung zugunsten der KI aufgeben. Die Tech-Konzerne hingegen denken bereits an KI-Rechenzentren, die von entsprechenden Atomkraftwerken („Mini-AKW“s, SMRs) versorgt werden. Das Problem dabei: SMRs oder Mini-AKWs sind etwas kleinere Atomkraftwerke, aber es sind AKWs mit all den Problemen, die den Durchbruch der Atomkraft für die Energieversorgung verhindert haben.
Fragt man eine KI, wird sie für den Bau von Kraftwerken und Rechenzentren plädieren. Fragt man eine NI („Natürliche Intelligenz“), wird die Antwort differenzierter ausfallen.
