Worum geht es?
Österreich hat eine EU-Richtlinie bezüglich Lohntransparenz durchzuführen. Rechtzeitig wäre das noch am 7. Juni; aber das wird eng. Das Sozial- und Arbeitsministerium unter Ministerin Schumann (SPÖ) meint, „das komplexe Vorhaben erfordere eine sorgfältige Abstimmung mit den Sozialpartnern“.
Es geht um den „Gender Pay Gap“, also die systematische Bevorzugung von Männern bei der Entlohnung. Diese Lohnlücke aus der Sicht von Frauen ist in den letzten Jahren zwar gesunken – in der EU beträgt sie „nur“ mehr 11,1%, in Österreich immer noch 17,1%; Und diese Lücke ist in Österreich höher als anderswo in der EU:
Gerade in Estland und Tschechien sah es 2024 noch ein bisschen schlimmer aus. (Interessant auch Luxemburg: Frauen verdienen dort ein klitzekleines bisschen besser als Männer. Woran das liegt? Naja: Luxemburg ist voll von Geldgeschäften und Finanzwirtschaft und es könnte sein, dass Frauen mit Geld ein klitzkleines bisschen besser umgehen können als Männer. Aber das ist natürlich spekulativ.)
Schade ist, dass die Liste wirklich nur die EU umfasst. Das UK, die Schweiz und Norwegen – die fehlen mir hier schon. Auch – aus anderen Gründen – Moldavien, Serbien, Montenegro, die Türkei.
Aber der Sachverhalt ist eindeutig. Man muss also etwas dagegen tun. Was verlangen die Vorgaben der EU?
Ab 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssen Betriebe den Vorgaben zufolge Einkommensberichte erstellen. Wird darin ein Lohngefälle von mehr als fünf Prozent festgestellt, das nicht durch objektive und geschlechtsneutrale Kriterien gerechtfertigt werden kann, müssen Unternehmen Maßnahmen treffen.
Probleme?
Also ich sehe bei Lohntransparenz keine besonderen Probleme. Es gibt Länder, da kann man den Lohn irgendeines anderen Menschen im Internet nachschauen – auch da hätt ich keine Probleme. Aber das fordern die EU-Vorgaben gar nicht. Es geht – siehe oben – um viel weniger. Es geht um anonymisierte Listen und einen Geschlechter-Vergleich.
Das Hindernis sind offenbar „die“ bzw. manche Sozialpartner. Die Wirtschaftskammer befürchte „eine Bürokratie- und Kostenlawine“, heißt es im Artikel. Diese „Ängste“ (oder Ausreden) höre ich immer wieder. Ich finde, das ist lächerlich. Ein Betrieb mit über 100 Mitarbeiter:innen muss eine ordentliche EDV haben, die so eine Liste auf Knopfdruck herstellen kann. Ich sehe keinerlei Lawinen: nicht bei den Kosten, nicht bei der Bürokratie.
Nur der erste Schritt
Die Veröffentlichung der Verhältnisse in der angegebenen Form ist noch nicht die Lösung des Problems, das ist klar; es ist nur der erste Schritt. Weitere Schritte werden folgen müssen; aber die Daten zu haben ist schon einmal wichtig.

