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Michael Bürkle

Mamdani spritzt Parade

Ein Affront gegen New Yorks Jüd:innen?

New York ist mit ca. 1 Million jüdischer Bewohner:innen „die größte jüdische Stadt außerhalb Israels“. Jedes Jahr veranstaltet die jüdische community eine „Israel-Parade“ zu Ehren Israels. 2026 haben ca. 55.000 Menschen daran teilgenommen, der Bürgermeister New Yorks, Zoran Mamdani, allerdings nicht. Das ist insofern ungewöhnlich, weil die Bürgermeister da bisher immer teilnahmen; Mamdani ist der erste seit ihrem ersten Abhalten im Jahr 1965, der das nicht tut.

Mamdani hat damit heftige Kritik geerntet. Der israelische UNO-Botschafter sprach gar davon, der Bürgermeister habe sich dafür entschieden, „Zehntausenden Juden sowie Unterstützern Israels den Rücken zu kehren“.

Mamdani hatte allerdings bereits im Wahlkampf erklärt, dass er an der Parade nicht teilnehmen werde.

Ein Affront?

Nein!

Ca. 95% der Jüd:innen New Yorks haben nicht an der Parade teilgenommen. Man kann zu „Paraden“ an sich verschiedene Meinungen haben: für mich sind Paraden etwas quasi-Militärisches, das ich an sich nicht besonders sympathisch finde. Auch eine „Regenbogenparade“ hat etwas Kämpferisches: für mehr Gleichberechtigung.

Eine Parade als Hochlebenlassen Israels ist derzeit schwierig. Israel verfolgt derzeit eine rechtsextrem-ultraorthodoxe Politik, auf die man meines Erachtens überhaupt nicht stolz sein kann. Man kann ohne Zweifel Elemente der Apartheid erkennen. Die sind nicht Teil Israels; die sind ein Produkt der derzeitigen Regierung. Wenn die Gefahr besteht, dass eine Teilnahme an einer Parade die Politik dieser israelischen Regierung rechtfertigt, würde ich auch nicht teilnehmen. Da habe ich es ganz mit dem Bürgermeister.

Naftali Bennett, ein ehemaliger Ministerpräsident Israels nannte die Entscheidung Mamdanis „feige“. Er meinte:

Führung bedeutet, für alle New Yorker da zu sein, einschließlich der Juden, die diese Stadt ihr Zuhause nennen.

M.E. ist das ein gewolltes Missverständnis: „für die Juden da sein“ muss ja nicht heißen, an einer Parade teilzunehmen. Ich finde die Entscheidung Mamdanis sogar mutig.

Israel hat Großes geschaffen

Israel hat seit seinem Bestehen Großartiges geschaffen, ohne Zweifel. Unter großen Opfern auf jüdischer und palästinensischer Seite wurde ein moderner Staat errichtet. Darauf kann man stolz sein.

Die jetzige Politik ist alles andere als großartig und kein Grund zum Feiern. Ich verstehe Mamdani sehr gut. Er hat auch nicht den Jüdinnen und Juden New Yorks „den Rücken gekehrt“. Auch das ein absichtliches Missverständnis.


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