„Nobel geht die Welt zugrunde“
Eine wohlhabende Minderheit verursacht Umweltschäden in Billionenhöhe. Das ist rücksichtslos und zeigt: Die Klimakrise ist ein Wohlstandsproblem, kommentiert Katharina Menne.
So beginnt ein sehr interessanter Artikel im „Spektrum der Wissenschaft“.
Eine kleine, wohlhabende Minderheit verursacht einen überproportional großen Anteil der Umweltverschmutzung. In einer Studie beziffert ein Forschungsteam um Inge Schrijver von der Universität Leiden in den Niederlanden nun erstmals, welche Schäden an Umwelt und Klima die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung mit ihrem Lebensstil jährlich verursachen – und kommt auf Summen in Billionenhöhe. Je besser es den Menschen geht, desto stärker richten sie unseren Planeten zugrunde.
Dann:
Bislang hieß es immer: Wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzen wollen, dürfen wir nur noch eine gewisse CO₂-Menge ausstoßen – zurzeit noch etwa 130 Milliarden Tonnen. Allerdings verbraucht eine kleine Elite in rücksichtsloser Weise große Teile des Budgets, während alle anderen unter den Folgen leiden.
Ja, das ist so. Leider.
(Einen kleinen Einspruch möchte ich da in Bezug auf die Verwendung des Begriffs Elite anmelden. Für mich sind „Elite“ nicht „die Reichen“, sondern „die Fähigen“. Das ist ein großer Unterschied. Nicht alle Reichen sind fähig, nicht alle Fähigen sind reich.)
Das Forschungsteam kommt zum Schluss:
Es braucht Steuern auf Luxus- statt auf Grundgüter – und die eingenommenen Gelder müssen konsequent in den Klima- und Artenschutz investiert werden
Inhaltlich sieht das Forschungsteam (auch für mich) überraschend den Verlust der Biodiversität gravierender als den Klimawandel. Aber die Diskussion ist ein bisschen akademisch: den einen gibt es nicht ohne den anderen und umgekehrt.
Überraschend ist dabei, dass der größte Teil der Schäden nicht auf den Klimawandel entfällt, sondern auf den Verlust der Biodiversität. Laut Studie sind 47 bis 56 Prozent der Gesamtkosten auf das Artensterben zurückzuführen, insbesondere weil natürliche Lebensräume zerstört werden. Der Klimawandel folgt mit 36 bis 45 Prozent erst an zweiter Stelle. Das zeigt, dass Umweltpolitik den Schutz der biologischen Vielfalt deutlich stärker in den Fokus nehmen sollte, als dies bislang getan wird.
Sukkus
Ja, ich denke, dass das alles grosso modo so stimmt. Aber es ist – bis auf Teilaspekte – nicht neu; die Sachen sind bekannt.
Relativ neu ist, dass das Team um Inge Schrijvers die Klasse der Reichen etwas breiter nimmt als bloß die Superreichen. Sie spricht von „den reichsten 10%“. Ja, ich glaube, dass sogar das im Großen und Ganzen stimmt; im Einzelfall kann das freilich gravierend anders sein. Es ist auch eine Sache von Lebensweise; es gibt auch individuelle Verantwortung.
