Das „Alpenregionstreffen“ der Schützen vor Gericht
Die Tiroler Schützen („Schitzn“) sind ein sehr traditionsbewusster Verein. Sie feiern immer wieder ihren „heroischen Kampf“ (bzw. ihre letztliche Niederlage) gegen die französisch-bayrischen Truppen unter Napoleon 1809. Vor 50 Jahren haben sie mit „Kameraden“ aus Bayern, Südtirol und (sogar) Welschtirol (also z.T. mit ehemaligen „Feinden“) ein „Alpenregionstreffen“ ins Leben gerufen. Das 28. dieser Treffen fand am 17. Mai in Innsbruck statt. Ca. 15.000 Gäste aus Tirol, Bayern, Südtirol und Welschtirol wurden erwartet.
Frauen haben sich beteiligt!
An diesem Treffen haben sich 7 Frauen beteiligt: „Sie hatten sich als Schützinnen verkleidet und die Marschroute betreten.“
Laut Polizei betraten sie dabei die Marschroute und störten dadurch die öffentliche Ordnung. Trotz Aufforderung hätten sie ihr Verhalten erneut gesetzt. Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck verhängte deshalb gegen jede der sieben Frauen eine Geldstrafe von mehreren hundert Euro.
Naja: irgendjemand muss die 7 „Schützinnen“ angezeigt haben. Irgendjemand fühlte sich durch die 7 Frauen gestört. Die BH Innsbruck verhängte saftige Geldstrafen. Für Ironie und Humor haben die Tiroler Schützen offenbar kein Verständnis.
Ich finde das bodenlos dumm. Wer keine Ironie wahrnehmen kann, ist für unsere Gesellschaft nicht gerüstet. (Das gilt z.B. auch für den türkischen Präsidenten Erdogan, der den Comedian Deniz Göktaş einsperren lässt. Auch andere „Majestäten“ fühlen sich schnell beleidigt; das ist typisch.)
Die 7 Frauen haben „Einspruch gegen die Strafverfügung erhoben“; hoffentlich kommt die Berufungsinstanz zu mehr Vernunft. Ich bin gespannt.
Schützinnen?
Jetzt sind an sich einige Frauen bei den Schützen Mitglieder. Sie sind dort z.B. als „Marketenderinnen“ vorgesehen. Ich kenne auch eine „Schützin“, die in ihrer „Kompanie“ Bildungsarbeit für Mädchen macht. Aber Frauen werden bei den Schützen nicht als waffentragende Menschen geduldet. „Schützinnen“ im engsten Sinn sind sie also nicht. (Ja: im Prinzip ist jeder männliche Schütze bewaffnet; er hat ein Gewehr, tirolerisch „a Puffn“. Und er schießt auch ab und zu damit.)
Dieses „Kultivieren“ von Traditionen darf man ironisch aufs Korn nehmen. Ich hätte das freilich nicht auf diese Weise gemacht, denn ich fühle mich in Trachten und dergleichen wirklich nicht wohl. Ich finde es besser, wenn die Schützen in ihren Traditionen vor sich hin dümpeln; ich muss ihre Ideologie nicht in die Mitte der Gesellschaft holen. Aber da kann man verschiedener Meinung sein. (Es soll sogar „Schützen“ geben, die einer gewissen Modernisierung gegenüber recht aufgeschlossen seien.)
