Ich meine natürlich: Politik gegen den Klimawandel vs. Klimaanpassung
Wir sind uns im Großen & Ganzen und in Summe sehr einig: man muss Wirksames gegen den Klimawandel tun. Wir brauchen eine effiziente Politik gegen den menschengemachten Klimawandel. Je nachdem, wen, wann und wie man fragt, sind sehr große Mehrheiten für eine solche Politik. 89% kann man da erzielen: wir haben das zum Thema gemacht. (Sticker kann man bei uns bestellen!) In Österreich waren es zuletzt „zwei Drittel“.
In letzter Zeit lese ich aber immer mehr von „Klimaanpassung“. Für mich ist das zunächst ein verdächtiger Begriff; er meint doch offenbar: „wir akzeptieren den Klimawandel und versuchen uns deshalb an ihn anzupassen“. Das ist nicht meine Meinung. Ich meine, zum Akzeptieren ist es noch viel zu früh.
Klimatologe Ratheiser
Auf den Punkt gebracht hat das in einem lesenswerten Interview im Standard der Klimatologe Matthias Ratheiser. Das Interview erschien am 16.7. unter dem Titel „Klimatologe über Hitzeschutz: «Ich ärgere mich, dass so lange nicht gehandelt wurde»“. Ratheiser bietet eine profunde Analyse zum Klimawandel und den Chancen einer Politik dagegen und endet auf die Frage „Wie hält man diese Frustration aus?“ mit dem Befund:
Beim Klimaschutz ist das für mich manchmal schwer, weil er global funktionieren muss. Da müssen alle mitmachen, sonst erreichen wir wenig. Natürlich kann ich in meinem kleinen Bereich etwas tun, aber den globalen CO₂-Ausstoß beeinflusse ich damit kaum. Bei der Anpassung ist das anders. Die haben wir selbst im Griff – als Stadt, als Land, als Gesellschaft. Wir können unseren Lebensraum umbauen. Daraus ziehe ich meine Motivation.
„alle global mitmachen“? Das wird schwierig: Trump 2.0, Putin, Reiche … ??? Ich kann das Interview trotzdem sehr empfehlen.
Klimatologe Levermann
Auch vorgestern veröffentlichte der Standard ein sehr interessantes Interview, und zwar mit dem Klimatologen Anders Levermann unter dem Titel „Wir müssen verstehen, was nach dem Kippen der Klimasysteme passiert“. Levermann ist Physiker und leitet am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) den Bereich Komplexitätsforschung.
Levermann bleibt zu einer aktiven Klimapolitik eindeutig:
Wenn wir erfolgreich sind, können wir die globale Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen. Das ist im Grunde alternativlos. Natürlich hätten wir früher handeln müssen. Aber daraus folgt nicht, dass wir jetzt eh nichts mehr machen können. Jedes Zehntelgrad weniger bedeutet weniger Risiken.
„Jedes Zehntelgrad bedeutet weniger Risiken“.
Also was jetzt?
Wenn nicht alle global mitmachen, erreichen wir wenig.
vs.
Wenn wir erfolgreich sind, können wir die globale Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen.
Ich denke, wir kommen um Maßnahmen der Klimaanpassung nicht herum, denn wir gehen in Mitteleuropa auf ein Klima zu, wie das derzeit im Bereich des Mittelmeers üblich ist. Was heute eine „Hitzewelle“ ist, wird normal. Ratheiser: „Wir wandern als Mitteleuropa klimatologisch ans Mittelmeer.“ Die jetzt schon vulnerablen Menschen brauchen Maßnahmen. Viele Maßnahmen zur Klimawandelanpassung werden auch lokal-regionale Maßnahmen gegen den menschengemachten Klimawandel an sich sein. Das Pflanzen von Bäumen ist auf keinen Fall verkehrt, aber nicht allein die Lösung. Der Verbrennungsmotor muss weiterhin weg: so schnell wie möglich.
Wir dürfen ob der Bekämpfung der Wirkungen die Bekämpfung der Ursache nicht vergessen.
