Es geht um eine Stromleitung Marokko-Deutschland
Zwischen Deutschland und Marokko wird derzeit eine ca. 4.800 km lange Stromleitung unter Wasser geplant. Sie soll in Marokko erzeugten Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen nach Deutschland liefern und in Deutschland bis zu 5% des Strombedarfs abdecken. Das Projekt heißt Sila Atlantik, aber es stockt derzeit. „Grund dafür sind offenbar Meinungsverschiedenheiten über die Projektstruktur sowie über finanzielle Garantien […]“
Die Leitung wäre auch nicht ganz billig: Kostenschätzungen liegen bei 30 Milliarden Euro.
Die Idee
Die Idee finde ich an sich sehr gut: Marokko verfügt über sehr stabile Produktionsbedingungen bei Solar- und Windenergie, und die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa ist m.E. ein Gebot der Stunde und eine große Chance für die Zukunft beider Kontinente. Es ist mir leider nicht gelungen, die Stelle, an der es hakt zu finden: sowohl der zitierte Artikel in euronews als auch einer im Handelsblatt schweigen sich darüber aus. Klar ist m.E., dass auf beiden Seiten wohl die Politik mitspielt – ohne die wird es nicht gehen – und private Firmen bzw. Konzerne ebenfalls beteiligt sein werden. Eine Firma Sila Atlantik ist offensichtlich federführend.
Eine entscheidende Frage
Ich hätte eine m.E. entscheidende Frage zu diesem Projekt. Warum plant man eine fast 5.000 km lange Unterwasser-Stromleitung? Auf der Seite der Firma Sila Atlantik bekommt man einen Eindruck, was da geplant wird:
Man sieht: das geplante Kabel soll unter Wasser vorbei an Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden bis nach (ungefähr) Hamburg verlaufen.
Ist das nicht Irrsinn?
Wir müssten – meine ich – an sich lediglich den Anschluss an die europäischen Stromnetze finden; dazu müssen wir ein paar Kilometer zwischen Marokko und Spanien überbrücken. Wenn der Strom erst einmal im europäischen Netz ist, kann ihn Deutschland verwenden und alle anderen Staaten oder Firmen, denen Deutschland den Strom verkauft, ebenfalls. Das ist dann nur mehr ein Problem der Verrechnung.
Vorstellungen
Also ich kann mir schon vorstellen, wo es hapert. Zwei Staaten sind direkt beteiligt, an 5 Staaten soll die Stromleitung im Meer vorbei laufen und muss davor dort gelegt werden, die Gewinnerwartungen sind hoch, eimige Firmen sind beteiligt – da gibt es schon einiges, das man vor Beginn klären muss. Vielleicht wäre die einfachere Variante Marokko-Südspanien und dann weiter in das europäische Netz leichter, billiger, ökologischer, ökonomischer – aber halt nicht so „cool“.

