Ein völlig undurchdachter Vorschlag einer Pensionsreform
Der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle hat einen Vorschlag zu einer Pensionsreform gemacht, der eigentlich nur Kopfschütteln erzeugt.
Tirols Landeshauptmann hatte zuvor in einem Ö1-Interview seinen Vorschlag dargebracht, dass das Antrittsalter für alle Österreicherinnen und Österreich auf 65 Jahre erhöht werden solle. Selbst dann sollte der Antritt „nur mit mindestens 45 Jahren an Arbeitszeit“ möglich sein. Allerdings solle hier die Betreuungszeit von Eltern in die Arbeitszeit dazugerechnet werden.
In den Salzburger Nachrichten hat die „Leiterin der Alterssicherungskommission“, Christine Mayrhuber, eine Ökonomin des Wirtschaftsforschungsinstituts nun Stellung bezogen. Man kann es für Schnellleser:innen kurz zusammenfassen: Sie lehnt Mattles Vorschlag ab. Und zwar begründet; gut begründet.
Meine Erfahrung
Ich bin 1957 geboren, habe 1975 maturiert und mit einem Studium begonnen, seit 1979 habe ich gearbeitet: als Studienassistent, als Vertragsassistent, als Lehrer, als Direktor. Bis ich am 1.5.2022 in Alterspension gegangen bin – weil ich musste: ich war 65. Einen Monat war ich arbeitslos gemeldet; ich komme auf 43 Arbeitsjahre; ich hätte die Kriterien Mattles am 1.5.22 also nicht erfüllt. Ich kann es beurteilen: die allerwenigsten würden das schaffen.
Wo lebt der Mann?
Ich habe mich relevant an der Erziehung zweier Kinder beteiligt, weil ich lange Jahre an der Uni nur einen „halben“ Job hatte, muss aber zugeben, dass den wesentlich größeren Teil der Care-Arbeit meine Frau verrichtet hat – die „für die Kinder“ 4 Jahre ganz aus ihrer Arbeit ausgestiegen ist.
Wie könnte, wie sollte man das nach Mattle anrechnen?
Mattle auf Stockers Spuren
Kanzler Stocker hat bereits eindrucksvoll das Familienbild der ÖVP zum Diskussionsthema gemacht. LH Mattle möchte ihm da offensichtlich nicht nachstehen. Für Mattle beginnt man mit 15 (als Lehrling) oder 17 oder so zu arbeiten und arbeitet dann bis 65 durch. Ja: da kommt man sogar auf 48-50 Arbeitsjahre.
Dass eine große Mehrheit der Frauen bei Mattles Vorschlägen ganz um eine Pension umfallen würde, hat der LH vermutlich noch nicht bedacht. Wer denkt denn an sowas?
„irren“?
Ich habe dem Beitrag den Titel „Mattle irrt“ gegeben. Ursprünglich hatte ich an „Mattle irrt sich“ gedacht; jetzt bin ich eher bei „Mattle irrt herum“ gelandet.
Ach, bleiben wir bei „Mattle irrt“. Stimmt auf jeden Fall.
