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Michael Bürkle

Antisemitismus in Österreich

Oder Ablehnung israelischer Politik?

Die israelische Kultusgemeinde (IKG) meldet einen „Höchststand bei antisemitischen Vorfällen 2025“. Das sei „die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen“.

Die IKG differenziert da zwischen physischen Angriffen (19), Bedrohungen (27), Sachbeschädigungen (205), Massenzuschriften (439) und Fällen von verletzendem Verhalten (842). Ich denke, jeder dieser Fälle ist einer zu viel. (Was ich mir unter „Massenzuschriften“ vorstellen kann oder soll, weiß ich leider nicht.)

Der ORF-Artikel macht die Datenlage aber etwas unklar. Er vermeldet 4,2 Fälle pro Tag; das sei etwas mehr als 2024 (4,13) und eine Halbierung gegenüber dem Zeitraum vom 7.10.23 bis zum 31.12.23 (mit 8,13 Fällen pro Tag.) Aber das ist sekundär: jeder Fall ist einer zu viel.

„Israelbezogener Antisemitismus“?

Am häufigsten sei „Israelbezogener Antisemitismus“. Da weiß ich nicht genau, was darunter zu verstehen ist. Ist das auch Kritik an der konkreten Politik der konkreten israelischen Regierung, dem Kabinett Netanyahu?

Die israelische Regierung unter Netanyahu ist eine rechtsextrem-ultraorthodoxe Koalition, die in vielen Aspekten eine entsetzliche Politik betreibt. Die sieht ganz danach aus, dass mit verschiedenen Formen der Gewalt palästinensische Bevölkerung z.B. aus dem Westjordanland oder dem Gaza-Streifen vertrieben werden soll. Angriffe des israelischen Militärs auf die Hisbollah im Südlibanon treffen auch zivile libanesische Ziele. Paramilitärische Angriffe militanter Siedler auf palästinensische Bauern und ihre Felder und ihre Ernte werden kaum geahndet. Und die IKG-Leitung macht allzu oft den Eindruck, die Politik dieser Regierung und des Militärs unreflektiert und zur Gänze zu unterstützen.

Ich bin mir aber sicher, dass viele Mitglieder der IKG mit der Politik Israels (im Sinne der Politik dieser israelischen Regierung) nicht einverstanden sind. (Auch viele Menschen in Israel sind da nicht einverstanden und protestieren vehement.) Wenn das in öffentlichen Aussendungen der IKG aber nicht deutlich wird, wird es für viele Menschen schwierig, zwischen israelischer Politik und der Politik des Kabinetts Netanyahu zu unterscheiden. Dann entsteht unter Umständen „israelbezogener Antisemitismus“. Der ist schlecht, aber er wäre vermeidbar.


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