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Michael Bürkle

Blume dringlich!

VW-Chef ruft zur Identifikation auf

VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume wird dringlich: „Auf die nächsten Wochen kommt es an“, meint er laut ORF. Er ruft damit die Belegschaft „zu vollkommenem Zusammenhalt“ auf – angesichts der Branchenkrise kein Wunder.

Und er hat natürlich recht. Überall & immer „kommt es auf die nächsten Wochen an“. In der Wirtschaft, im Krieg, im Sport, in Beziehungen. Wenn „die nächsten Wochen“ scheiße sind, ist das schlecht; wenn sie super sind, ist es gut. Man kann das auch auf Jahre und Stunden anwenden. „Es kommt auf die nächsten Stunden an“: ja klar. Und auf die nächsten Jahre auch. Es kommt auf die Zukunft an, überall & immer!

Herrn Blume geht es darum, die Belegschaft zu aktivieren. Sich mit dem in erheblichen Schwierigkeiten torkelnden Konzern zu identifizieren.

Oder doch Jahre?

„Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“, betonte Blume in der „Bild“.

Für die „Bild“ sind es nun doch Jahre statt Wochen. Aber schon ist ein weiteres Missverständnis offensichtlich geworden. Die Alternative ist falsch. Die Alternative zu „im Rennen bleiben“ ist nicht „an die Spitze fahren“; die Alternative ist „ausscheiden“. Aber diesen Gedanken wollte man den Lesern der „Bild“ vermutlich nicht zumuten.

Ja, kann gut sein, dass die deutsche Autoindustrie zwar „im Rennen bleibt“, aber halt auf hinteren Plätzen, nicht an der Spitze.

Der Mann hat kein goldenes Händchen für Sprache, scheint mir.

Die Zukunft der deutschen Autoindustrie

Die deutsche Autoindustrie – VW & Co, BMW, Mercedes – hat großflächig wichtige technische Entwicklungen verschlafen. Nicht die Arbeiter:innen: die Vorstände haben verschlafen. Man hat auf den Verbrennermotor gesetzt und dazu (auch Blume!) Schnapsideen wie E-Fuels gestützt und lanciert und hat damit den Anschluss an die Technik des 21. Jahrhunderts verloren. (Man ist dabei auch von Politikern unterstützt worden: N., ein österreichischer Bundes­kanzler, und L., ein deutscher Finanz­minister, haben sich da bleibende „Verdienste“ erworben.)

Aber ich sehe Zukunft für die deutsche (und österreichische) Autoindustrie. Die chinesischen Autofirmen werden die Autos, die sie in Deutschland (und Europa) verkaufen wollen, nicht auf Dauer um die halbe Welt schippern wollen. Sie werden (für Deutschland) in Deutschland (oder z.B. in Österreich) fertigen wollen. (Und für die USA in den USA.) Und da kann man die Kenntnisse und Fertigkeiten deutscher Autoarbeiter:innen gut brauchen, nehme ich an, wenn sie sich fortbilden.

Auch als Zulieferer für chinesische Produktionen in aller Welt sind Betriebe mit deutschen oder österreichischen Arbeiter:innen unter Umständen sehr interessant. Dass wir „ein bisschen umdenken“ müssen, verdanken wir den Herren in den Vorständen.

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