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Michael Bürkle

„Christliche Ideologie“ und Trump 2.0

Da passt einiges zusammen und anderes nicht

Was US-Präsident Trump 2.0 „glaubt“, weiß ich nicht. Ich bin mir gar nicht sicher, dass seine Politik von irgendeinem Glauben gelenkt ist – außer von dem, dass Geld gut ist und viel Geld noch viel besser.

Aber es gibt im System Trump 2.0 tatsächlich „christliche Elemente“, wenn man das so nennen kann. Auf t-online ist ein Artikel von Julian Seyfarth erschienen, der eine Zusammenschau liefert: Trumps Bewegung und die katholische Kirche / Er will katholische Praxis verbieten lassen“.

Im Wesentlichen kann man im Dunstkreis von Trump 2.0 zwei „christliche“ Strömungen erkennen, die nicht wirklich miteinander kompatibel sind; oft sind sie sich sogar spinnefeind. Das eine sind Katholik:innen – sie machen 19% der US-Bevölkerung aus; das andere sind sog. „evangelikale“ Christ:innen: sie machen etwa 23% der US-Bevölkerung aus. Beide sind in der Regierung repräsentiert: Katholiken sind z.B. Vize J.D. Vance und Außenminister Rubio; zu den Evangelikalen zählen Verteidigungsminister Hegseth und die – seit Neuestem – „spirituelle Beraterin“ Trumps, Paula White, eine esoterische TV-Predigerin, die auch „in Zungen spricht“, wenn es dienlich ist, und die ein geradezu pseudo-intimes Verhältnis mit Trump demonstriert.

Es gibt zwischen den beiden „Fraktionen“ einen Glaubensunterschied:

  • Katholik:innen glauben an die Bibel und an die Tradition, die hilft, die Schrift zu interpretieren. Sie haben eine umfassende Autorität im Hintergrund: den Papst
  • Evangelikale glauben „nur an die Bibel“: Sola Scriptura als einzige Glaubensquelle. Es gibt keine umfassende Autorität, sondern sehr viele Strömungen

… aber ich denke nicht, dass dieser Unterschied in der konkreten politischen Praxis des Systems Trunp 2.0 eine Rolle spielt. Es geht nur darum, verschiedene große Gruppen der US-Wähler:innen ansprechen zu können, auch solche, die sonst „nicht miteinander können“.

Differenzen zum Katholizismus

Mit Papst Leo XIV hat ein zweiter US-Amerikaner die weltpolitische Bühne betreten und er äußert sich klar gegen die Kriegspläne des Systems Trump 2.0. Das muss von diesem als ungeheures Ärgernis angesehen werden und er hat den Papst auch schon explizit und mies angegriffen.

Papst Leo XIV ist für Trump 2.0 zu einer Gefahr geworden, denn er demontiert im direkten Blickfeld der US-Wählerschaft die Politik von Trump 2.0.

Die US-Katholik:innen werden sich bei den nächsten Wahlen entscheiden müssen: wem glauben sie „mehr“? Dem Papst oder Typen wie Vance und Rubio und Trump? Diese Frage kann für die Wahlergebnisse relevant werden.

Harmonie mit den Evangelikalen

Mit vielen Evangelikalen pflegt das System Trump 2.0 einen sehr „netten“ har­mo­nischen Umgang. Auch wenn da – etwa in Form von Paula White oder des evangelikalen Predigers Doug Wilson – absurde gesell­schaftliche Rück­schritte gedacht und wohl auch geplant werden. Seyfarth schreibt:

Ihm [Hegseth, Anm. mb] steht der christlich-nationa­listische Prediger Doug Wilson nahe, der sich unter anderem gegen Geschlechter­diversität an sich und das Frauen­wahlrecht im Besonderen stellt. Wilson ist auch Co-Autor des Essays „Southern Slavery, as it was“. Der Text argumentiert unter anderem, Sklaverei habe in den Südstaaten zu einer „ehrlichen gegen­seitigen Zuneigung zwischen den Rassen geführt“.

[…]

Der Pastor macht kein Geheimnis daraus, dass er der amerikanischen Republik einen evangelikalen Gottesstaat vorziehen würde: Demokratie nannte er einst eine „Torheit“. Wilson glaubt, dass die Verwandlung Amerikas in eine calvinistisch-evangelikale Theokratie innerhalb der nächsten 500 Jahre zu bewerkstelligen ist.

(Die „Verwandlung Amerikas in eine calvinistisch-evangelikale Theokratie“ hat die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood im berühmten Roman „Report der Magd“ schon vorweggenommen. Atwood hat die Theokratie schon früher befürchtet).


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