Angesehener britisch-australischer Historiker über Trump 2.0
Derzeit gehen durch zahlreiche Medien (Welt, ntv, Merkur …) Artikel, denen offenbar ein Gespräch mit dem prominenten Historiker Sir Christopher Clark zugrundeliegt. Clark ist Professor für Geschichte an der Universität Cambridge – und seine Kritik an der Administration Trump 2.0 lässt nichts Gutes übrig.
Ich zitiere in der Folge aus dem Artikel auf ntv:
- „Furchterregender“ Präsident
- Historiker Clark: Trump-Regierung „vertuscht und verschleiert“
- Der australische Historiker Sir Christopher Clark schätzt die derzeitige weltpolitische Lage als sehr gefährlich ein. Ein großer Risikofaktor sei das unberechenbare Verhalten von US-Präsident Donald Trump, sagte Clark. Dieser verfüge über große Macht und ein enormes Zerstörungspotenzial, führe den Krieg gegen den Iran aber offenbar ohne Plan. „Das ist furchterregend.“
- Auffallend an der Trump-Regierung sei auch der brutale Kommunikationsstil. Besonders abschreckend sei die Rhetorik von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst Kriegsminister nennt. Der ehemalige Fernsehkommentator hatte unter anderem gesagt, der Krieg gegen den Iran habe nie ein fairer Kampf sein sollen: „Wir schlagen auf sie ein, während sie am Boden liegen, und genau so sollte es auch sein.“
- Clark sagte dazu: „Kein amerikanischer Minister vor ihm hätte jemals die Öffentlichkeit so angesprochen. Manche sagen, das sei doch zumindest eine ehrliche Sprache und nicht mehr so eine Heuchelei wie früher. Ich bin da völlig anderer Meinung. Erstens wird von dieser Regierung vieles vertuscht und verschleiert. Was hinter den Kulissen wirklich passiert, werden wir vermutlich erst viel später erfahren. Und zweitens ist eine gewisse Heuchelei durchaus zu bevorzugen. Denn sie entsteht, wenn man sich zumindest grundsätzlich einem Wertekodex verpflichtet fühlt, auch wenn man ihm nicht immer gerecht wird.“
- Die iranische Regierung sei zwar seit Jahrzehnten ein Faktor der Unsicherheit im Nahen Osten. Gegen die eigene Bevölkerung sei sie wiederholt menschenrechtswidrig vorgegangen. „Man kann jedoch ein Regime nicht einfach ausschalten und ihr Regierungspersonal ermorden, weil sie schrecklich sind“, kritisierte der Geschichtsprofessor aus Cambridge. „Es gibt viele schreckliche Regime auf der Welt. Wo soll das enden?“
- „US-Regierung operiert ohne Werte und Normen“
- „Ein Punkt, der mir Sorgen macht, ist das schwindende gegenseitige Vertrauen innerhalb des westlichen Bündnisses“, sagte Clark. „Die Nato sieht heute schwächer aus als irgendwann sonst in ihrer Geschichte, hauptsächlich natürlich durch den Vertrauensentzug durch die Vereinigten Staaten, insbesondere dieses Präsidenten – wobei man vorher unter Obama und Biden auch schon eine gewisse Abkühlung feststellen konnte.“
Leserinnen und Lesern meines Blogs wird das alles sehr vertraut vorkommen. Allerdings hören wir das jetzt aus der Perspektive eines Cambridge-Historikers. Immerhin.
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Dazu passt ein Blick in die FAZ: „Und wieder droht Trump mit dem Austritt aus der NATO“.
Man hört, Trump 2.0 sei erzürnt über „die Europäer“, weil sie ihrer „Beistandspflicht“ innerhalb der NATO nicht nachkommen. Die Beistandspflicht gibt es aber nur im Fall, dass ein NATO-Land angegriffen wird. Im Iran-Krieg sind aber die USA der Angreifer (oder Israel, oder beide): da gibt es keine Pflicht zu einem Beistand. Die NATO versteht sich nicht als Angriffsbündnis.
Also aus meiner Sicht würde ein Austritt der USA aus der NATO einige gravierende weltpolitische Probleme schlagartig lösen. Die USA und der „Rest des Westens“ sind verschiedene Welten geworden; da kann man nicht gemeinsam Politik machen. Wenn die USA austreten wollen: bitte sehr!
