Weltklimakonferenz Nr. 31 in der Türkei
Am Montag beginnt in Antalya in der Türkei die 31. Weltklimakonferenz („COP31“). Die türkische Präsidentschaft hat sich dazu etwas Besonderes einfallen lassen: „35 bis 35“ heißt das; gemeint ist: „Bis 2035 soll Strom 35 Prozent des globalen Energiebedarfs decken“. (Derzeit sind wir da erst bei ca. 20 Prozent.) „Mit dieser „35 bis 35“-Initiative will man die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie vorantreiben und die Welt wieder auf Klimakurs bringen.“
Ich denke, das ist an sich nicht ganz unrealistisch.
Wir – als Menschheit, global – müssten dazu also deutlich mehr Strom produzieren – und zwar „grünen“, also ohne fossile Brennstoffe. Sonst hätte das für das Weltklima keinen Nutzen.
Aber!
Aber die Sache ist nicht ganz ungefährlich. Die Heinrich-Böll-Stiftung in Deutschland fragt: „Elektrifizierung auf der COP31: Klimaretter oder Trojanisches Pferd für fossile Energien?“
Das Problem: In seiner aktuellen Form verpflichtet das vorgeschlagene Ziel die Regierungen weder dazu, die Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien umzusetzen, noch die Fossilen aus dem System zu verdrängen.
Auf der Weltklimakonferenz wird es also darum gehen, das Ziel des Vorschlags nicht nur abzunicken, sondern mit klaren Bedingungen zu versehen:
Ohne klare Vorgaben, welche Energiequellen den zusätzlichen Bedarf decken sollen, droht das Ziel zu einem Trojanischen Pferd zu werden: Regierungen und Industrie – einschließlich Big Tech – könnten es nutzen, um die weitere Abhängigkeit von den Fossilen zu rechtfertigen – mit der Folge: steigende Emissionen, mehr Klima- und Energieunsicherheit.
Auf gut Deutsch: wenn wir „35 bis 35“ zum absoluten Ziel erheben, können Regierungen und Konzerne das zur Verlängerung der Verbrennung fossiler Brennstoffe nutzen. Es kommt aber nicht so sehr darauf an, dass wir „35 Prozent durch Strom“ erreichen, sondern dass wir „35 Prozent durch Strom ohne Treibhausgase“ erwirtschaften.
Das Problem ist bekannt
Australien ist bei der COP31 eine Art Ko-Veranstalter. Die Türkei stellt die Präsidenttschaft, Australien leitet die Verhandlungen. Und dem australischen Minister für Klimaschutz und Energie, Chris Bowen, ist klar, dass wir auf jeden Fall aus den fossilen Energien aussteigen müssen:
„Wir müssen von den fossilen Brennstoffen wegkommen“, sagte der australische Klimaschutz- und Energieminister Chris Bowen während der UNO-Klimagespräche in Bonn in einem heute von der Nachrichtenagentur AFP veröffentlichten Bericht. Die Gespräche in der deutschen Stadt dienen der Vorbereitung des Klimagipfels.
Es gelte, sich von der Abhängigkeit von einer Energiequelle zu lösen, die „immer unzuverlässiger“ werde.
