Heute ist der 15. August
Heute feiert die römisch-katholische Kirche wie jedes Jahr „die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“, kurz Mariae Himmelfahrt. (Falls Sie sich fragen „Was?“: ich hab das letztes Jahr schon erklärt: „Ferragosto! Oder: Mariae was?“)
Das ist aus meiner Sicht die absurdeste aller Glaubenslehren der römischen Kirche: was soll denn die arme Maria mit ihrem mittlerweile über 2000 Jahre alten Leib im Himmel bloß tun?
Das Dogma ist nicht nur das absurdeste: es ist auch das jüngste von offenbar 245. Zum Dogma erhoben wurde dieser Glaubensinhalt erst im 20. Jahrhundert, am 1.11.1950 von Papst Pius XII. Er bezog sich dabei auf ein etwas jüngeres Dogma vom 18.7.1870: nämlich auf die Unfehlbarkeit des Papstes.
Glauben römische Katholik:innen dieses Dogma?
Das ist verschieden. Ich frag da ab und zu ein bisschen nach. Manche erklären mir, dass dieses Dogma für sie völlig irrelevant ist. Manche schütteln sogar den Kopf und meinen, das sei unsinnig. Manche betrachten sich gar nicht als römische Katholik:innen, sind aber (noch) nicht aus der Kirche ausgetreten. Und es wird schon römische Katholik:innen geben, die da glauben, weil sie sollen oder müssen – aber ich hab noch keine:n getroffen.
Ein Vorschlag
Leo XIV versteht sich ja als ein sehr moderner, weltoffener und vernünftiger Papst. Könnte er nicht mit einem „Rückbau“ der Dogmen beginnen – auf ein „vernünftiges Maß“? Das erste, das m.E. revidiert gehört, ist das letzte und das jüngste: Mariae Himmelfahrt.
Als zweites würde ich das von der Unfehlbarkeit des Papstes vorschlagen. Das ist nur 80 Jahre älter und zum Dogma erhobene Arroganz: der Papst sei „unfehlbar“. Das hat nie gestimmt. (Ich mein: Elemente der Arroganz gibt es auch bei anderen Religionen. Aber die katholische könnte man schnell etwas abbauen, auf ein für das 21. Jahrhundert vernünftiges Maß. Beim Judentum – man sei das „auserwählte Volk“ – wird das schwieriger.)
