In Wien sollen Migrant:innen „Wienerisch“ lernen
In Deutschkursen des Wiener Integrationsfonds können und sollen Migrant:innen auch „Wienerisch“, also den Wiener Dialekt „lernen“. In einem ORF-Video sieht man, wie Menschen sich mit dem Wiener Dialekt schwer tun.
(Wenn Migrant:innen den Kurs besuchen können: könnten das auch Tiroler:innen, Menschen aus Vorarlberg, der Schweiz oder aus Niedersachsen?)
Ich hielte es für absoluten Unsinn, Menschen in Kursen einen Dialekt beizubringen. Aber die Sprecherin des Integrationsfonds beruhigt: es gehe nicht darum, den Dialekt zu sprechen, sondern nur, ihn im alltäglichen Dialog zu verstehen, also um das „Hörverständnis“. (Das Video zeigt es aber ein bisserl anders.)
Viele Deutsch(e Sprachvarianten)!
Das könnte ich noch irgendwie nachvollziehen. Tatsächlich ist die deutsche Sprache oft sehr schwer verständlich, weil fast niemand im Alltag Standarddeutsch spricht. Das Deutsche ist von Südkärnten bis Mecklenburg, vom Berner Oberland bis Sachsen durch Dialekte und Dialektgrenzen gekennzeichnet – und die Sprachunterschiede sind da bisweilen erheblich. (Das gilt übrigens ganz ähnlich für das Arabische vom Irak bis Marokko.) Wer nur Dialekt spricht, reduziert seinen sprachlichen Horizont beträchtlich.
Man kann da in einem Kurs für die Verständlichkeit eines lokalen Dialekts schon was Vernünftiges lernen. Aber ich hoffe sehr, dass da keine für einen Aufenthaltstitel oder eine Staatsbürgerschaft relevanten Noten vergeben werden. Ich würde auch dafür plädieren, dass in österreichischen Schulen auch „korrektes“ Standarddeutsch geübt wird – wenigstens ab und zu. (Auch Lesen, z.B. als Vorlesen, hilft!)
