Klimawandel aufhalten – oder sich anpassen?
Expert:innen der Universität für Bodenkultur empfehlen angesichts der Klimakrise und der höchstwahrscheinlich häufiger und extremer werdenden Hitzewellen einen „Umbau des Ernährungssystems“. Ja, das wird eine anspruchsvolle Aufgabe.
Es ist keine Aufgabe des Klimaschutzes; es ist eine Aufgabe der Klimawandelanpassung. Wir – die gesamte Menschheit – haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten so viele Chancen, den Klimawandel noch einzufangen, verpasst, dass wir uns jetzt wohl oder übel an ihn „anpassen“ müssen. Das betrifft auch die Ernährung.
(Für Mittel- und Westeuropa ist das noch relativ einfach: es geht von warm zu heiß. Für tropische Regionen in Lateinamerika, Afrika oder Asien ist das schon sehr schwierig: da geht es von heiß zu extrem heiß.)
Marianne Penker, Professorin für Landsoziologie und Ländliche Entwicklung an der BoKu, ortet bereits „eine hohe Bereitschaft, sich mit Klimaanpassung auseinanderzusetzen“. Da geht es z.B. um „Humusaufbau oder Umstellung auf Trockenreisanbau, auf Kichererbse oder Olive“. Dabei ist es …
… „nicht die Frage, ob sich die Landwirtschaft verändern wird, es ist die Frage, ob wir als Gesellschaft diese Veränderung proaktiv gestalten oder ihr einen desaströsen Lauf lassen. Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“
Es geht darum, die nötigen Veränderungen „proaktiv zu gestalten“. Wir werden für unsere Breiten neue Früchte brauchen! Und Bauern und Bäurinnen, die mit ihnen umgehen können.
Und der Klimaschutz?
Der Klimawandel geschieht, ob wir uns da anpassen (und eventuell überleben) oder nicht. Der Klimaschutz bzw. die Bemühungen um ihn bleibt bzw. bleiben aber weiter aktuell. Motto: „Jedes Zehntelgrad zählt.“ Wir haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten zwar schon sehr viele Chancen verspielt und haben uns das Leben in der Anpassung dementsprechend schwierig gestaltet, aber zwischen „schwierig“ und „nicht mehr machbar“ gibt es einen wichtigen Unterschied. (Es gibt natürlich auch Erfolge: die Zunahme der nachhaltigen Energieproduktion z.B.: besonders Photovoltaik, z.T. auch Wind.)
Wir müssen also doppelt denken: wir müssen die Erwärmung des Klimas nach Möglichkeit einbremsen – mehr als „einbremsen“ ist sowieso nicht mehr drin; „umdrehen“ geht da nicht (so schnell); einerseits. Andrerseits müssen wir in der Misere, die wir entstehen haben lassen, Strategien zum Überleben finden, also uns an Gegebenes anpassen.
