Blick in die Zukunft
Gestern abend hat der ORF darüber berichtet, dass der Chef des Arbeitsmarktservice, Johannes Kopf, gemeinsam mit Manuela Lenk, der Generaldirektorin der Statistik Austria, einen kritischen Blick in die Zukunft geworfen hat – und vor „drastischen“ (!) Entwicklungen warnt: „AMS warnt vor drastischen Folgen“.
Die Kristallkugel, die Kopf verwendet hat, sind die Bevölkerungs- und die Erwerbsprognose der Statistik Austria. Es geht da um Geburtenraten, um Sterblichkeit, um Zu- und Abwanderung. Ja, mit diesen Daten kann man schon relativ genau in die Zukunft blicken.
Alterung
In Österreich wird in den nächsten Jahren die Alterung, der Anteil alter Menschen an der Bevölkerung weiter zunehmen. Die Lebenserwartung steigt nämlich, zwar nur langsam, aber die Geburtenrate geht stark zurück. Ab ca. 2040 wird Bevölkerungszahl schrumpfen und immer weniger „Erwerbspersonen“ müssen die Menschen mit Pensionen „tragen“. (Als „Erwerbspersonen“ gelten arbeitende und arbeitsfähige Menschen.)
Nur in Wien wird die Erwerbsbevökerung zunehmen; in allen anderen Bundesländern und insgesamt wird sie abnehmen. Wir sind nämlich ein Einwanderungsland. Die Zunahme in Wien kommt aber nicht aus den Geburten: es sind die Menschen, die nach Österreich zuwandern – und da besonders nach Wien. Ja, wir sind ein Einwanderungsland. Aber wir schaffen es zu wenig, das Leben in den Bundesländern attraktiv für Migrant:innen zu gestalten. „Wo viel Zuwanderung ist, kann die Alterung abgefedert werden“, so Lenk. Das wäre für ganz Österreich wünschenswert, gelingt uns aber (noch) nicht.
Wir bekommen also ein starkes Ungleichgewicht zwischen Wien und den anderen Bundesländern.
So werde für Wien bis 2050 mit einem Plus der Erwerbspersonen um 16 Prozent, in allen anderen Bundesländern mit einem teilweise deutlichen Rückgang gerechnet
Dramatisch sei diese Lage für Kärnten, die Steiermark und das Burgenland.
Wir werden also in Wien relativ viele Arbeitskräfte haben und eine relativ hohe Arbeitslosigkeit und in den Bundesländern dagegen einen Mangel an Arbeitskräften bei einem Rückgang der Einwohnerzahl. „Wir haben jetzt schon in Wien mit Abstand die höchste Arbeitslosigkeit aller Bundesländer. Die Arbeitslosenquote ist fast dreimal so hoch wie in Oberösterreich.“
Frauen
Immer noch hat das österreichische Sozialsystem nicht gelernt, ausreichend für die Bedürfnisse von Frauen zu planen. Auch der AMS-Chef fordert …
eine deutliche Ausweitung der Kinderbetreuungsplätze und ‑Einrichtungen,
… um Frauen den Einstieg bzw. den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.
Ich denke, es sind Flexibilisierungen im Arbeitsrecht notwendig; dabei geht es nicht nur um Teilzeitwünsche bei Frauen, die immer noch durch einen hohen Anteil an Care-Arbeit zustande kommen.

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