michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Wir sind ein Einwanderungsland

Blick in die Zukunft

Gestern abend hat der ORF darüber berichtet, dass der Chef des Arbeits­markt­service, Johannes Kopf, gemeinsam mit Manuela Lenk, der General­direktorin der Statistik Austria, einen kritischen Blick in die Zukunft geworfen hat – und vor „drastischen“ (!) Entwicklungen warnt: „AMS warnt vor drastischen Folgen“.

Die Kristallkugel, die Kopf verwendet hat, sind die Bevölkerungs- und die Erwerbsprognose der Statistik Austria. Es geht da um Geburten­raten, um Sterb­lichkeit, um Zu- und Abwanderung. Ja, mit diesen Daten kann man schon relativ genau in die Zukunft blicken.

Alterung

In Österreich wird in den nächsten Jahren die Alterung, der Anteil alter Menschen an der Bevölkerung weiter zunehmen. Die Lebens­erwartung steigt nämlich, zwar nur langsam, aber die Geburten­rate geht stark zurück. Ab ca. 2040 wird Bevölkerungszahl schrumpfen und immer weniger „Erwerbs­personen“ müssen die Menschen mit Pensionen „tragen“. (Als „Erwerbs­personen“ gelten arbeitende und arbeitsfähige Menschen.)

Nur in Wien wird die Erwerbs­bevökerung zunehmen; in allen anderen Bundesländern und insgesamt wird sie abnehmen. Wir sind nämlich ein Einwanderungs­land. Die Zunahme in Wien kommt aber nicht aus den Geburten: es sind die Menschen, die nach Österreich zuwandern – und da besonders nach Wien. Ja, wir sind ein Einwanderungsland. Aber wir schaffen es zu wenig, das Leben in den Bundes­ländern attraktiv für Migrant:innen zu gestalten. „Wo viel Zuwanderung ist, kann die Alterung abgefedert werden“, so Lenk. Das wäre für ganz Österreich wünschens­wert, gelingt uns aber (noch) nicht.

Wir bekommen also ein starkes Ungleich­gewicht zwischen Wien und den anderen Bundesländern.

So werde für Wien bis 2050 mit einem Plus der Erwerbs­personen um 16 Prozent, in allen anderen Bundesländern mit einem teilweise deutlichen Rückgang gerechnet

Dramatisch sei diese Lage für Kärnten, die Steiermark und das Burgenland.

Wir werden also in Wien relativ viele Arbeits­kräfte haben und eine relativ hohe Arbeits­losigkeit und in den Bundesländern dagegen einen Mangel an Arbeitskräften bei einem Rückgang der Einwohnerzahl. „Wir haben jetzt schon in Wien mit Abstand die höchste Arbeits­losigkeit aller Bundesländer. Die Arbeitslosen­­quote ist fast dreimal so hoch wie in Oberösterreich.“

Frauen

Immer noch hat das öster­reichische Sozialsystem nicht gelernt, ausreichend für die Bedürfnisse von Frauen zu planen. Auch der AMS-Chef fordert …

eine deutliche Ausweitung der Kinder­betreuungs­plätze und ‑Einrichtungen,

… um Frauen den Einstieg bzw. den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Ich denke, es sind Flexibilisierungen im Arbeitsrecht notwendig; dabei geht es nicht nur um Teilzeitwünsche bei Frauen, die immer noch durch einen hohen Anteil an Care-Arbeit zustande kommen.


Beitrag veröffentlicht

in

, ,

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0
Would love your thoughts, please comment.x