michael bürkle

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Michael Bürkle

Energiespeicher boomen (?)

Neues aus Niederösterreich

Ein ORF-Artikel aus dem Land Niederösterreich freut sich sehr über einen gewissen Boom an Energiespeichern: „Zahl der Stromspeicher steigt rasant“ heißt es da, die Kapazität für Stromspeicher steige „rapide“, und die „Dynamik“ sei „laut Experten enorm“.

Im Artikel ist von bereits 160.0000 Photovoltaik-Anlagen in Niederösterreich und von 40.000 Energiespeichern die Rede. Die Gesamtkapazität der niederösterreichischen Stromspeicher liege bereits bei 575.000 kWh. Ja, auch im schwarzen NÖ tut sich was – bekommt man den Eindruck.

genauer nachgesehen

Aber schauen wir uns die Zahlen genauer an. Offenbar kommen auf 160.000 PV-Anlagen 40.000 Speicher. Das heißt, dass jede 4. PV-Anlage im Schnitt einen Speicher besitzt. Drei Viertel haben noch keinen; die geben überschüssigen Strom „ins Netz“ ab (und bekommen dafür nur wenig bezahlt). Denen geht es so wie mir mit meiner Anlage in Vorarlberg: meine Anlage produziert seit fast 3 Jahren im Schnitt (sommers wie winters) gute 26 kWh pro Tag, von denen ich nur knapp 13 kWh (vor allem winters) benutze. Im Schnitt liefere ich also pro Tag ca. 13 kWh ins öffentliche Stromnetz – sommers viel mehr, winters deutlich weniger.

Einen Batteriespeicher habe ich nicht: die PV-Anlage wäre damit ca. 10.000 € teurer geworden. Also habe ich mich entschlossen, meinen überschüssigen Solarstrom der Öffentlichkeit zu übergeben. (Auch eine Nachrüstung wäre sehr teuer geworden.) Drei Viertel der PV-Anlagen-Besitzer in NÖ machen das offenbar auch so.

Wie groß ist die Kapazität pro Speicher in NÖ? Das sind …
575.000 / 40.000 = 14,25 kWh.
Das sind also 14,25 kWh Kapazität pro Speicher!

Das wäre für meine Anlage weit weniger als eine Tagesproduktion. Damit können sich die nö. PV-Besitzer etwa einen Tag „Stromreserve“ speichern. Das ist für den Ausgleich von guten und schlechten Stromtagen vielleicht geeignet; zwei gute Tage am Stück würden den Speicher bereits hoffnungslos überfordern.  Ein Speicher für das Bundesland NÖ ist das aber nicht, denn diese Speicher liefern ja nicht ins öffentliche Netz.

Was tut das Land NÖ?

Das Land NÖ sorgt für ein gewisses Eigenlob, was die Stromspeicherung betrifft. Darüber hinaus könnte es über seine Energiegesellschaften große, leistungsfähige Stromspreicher zur Verfügung stellen, die weit mehr als einen Tagesbedarf speichern können. Das braucht NÖ, das brauchen alle Bundesländer, das braucht ganz Österreich. (Das geschieht auch schon zum Teil, z.B. in Dürnrohr.)

Auf die privaten Speicher von 160.000 PV-Anlagen-Besitzer:innen zu vertrauen, ist ein völliger Irrweg.


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