michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

EU-Holzweg

Kommissionspräsidentin irrt sich in der Kernkraft

Vorgestern hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die europäische Abkehr von der Kernkraft als Fehler bezeichnet, genau genommen als „strategischen Fehler“; vgl. Standard: „Von der Leyen: «Abkehr von Atomkraft war ein Fehler»“; vgl. ORF: „Von der Leyen: Abkehr von Atomkraft war «strategischer Fehler»“. Darüber hinaus hat sie für die Zukunft eine finanzielle Förderung der Atomkraft angekündigt.

(Nebenbei: ob ein „strategischer Fehler“ wirklich ein „Fehler“ ist, hängt immer vom Ergebnis ab. Ein „strategischer Fehler“ kann absolut richtig sein, wenn man damit Katastrophen verhindert.)

Man sollte Frau von der Leyen daran erinnern, dass es sehr gute Gründe dafür gegeben hat und immer noch gibt, die Atomkraft zurückzufahren. Die Gründe heißen z.B. Three Mile Island (1979), Tschernobyl (1986), Fukushima (2011), aber z.B. auch Zwentendorf (1978).

Ein weiterer Grund ist die immer noch unglöste Frage, wie man über Jahrtausende Atommüll sicher lagern soll. Wir haben mit der Kernkraft zwar kein (oder kaum ein) Problem mit CO2-Emissionen, aber wir haben „Emissionen“ om Sinn von radioaktiv strahlenden Rückständen für unüberblickbar viele Generationen.

Was Frau von der Leyen offenbar verdrängt: Wir hätten statt dessen nachhaltige Energien; Sonnenenergie v.a. im Sinn von Photovoltaik und Windenergie. Mit ihnen und internationaler, transkontinentaler Zusammenarbeit könnten wir mit Sicherheit alle Energieprobleme lösen. „transkontinental“? Ich denke an Europa und Afrika.

Wir haben außerdem in einer weltpolitisch unsicheren Zeit das Problem, dass jedes Kernkraftwerk eine Gefahrenquelle werden kann. Dass es in Saporischschja noch keine Katastrophe gegeben hat, ist mehr oder weniger „Glück“.

Die Abkehr von der Kernkraft war ein großer Fortschritt.

Aber es gibt auch gute neue Gründe

Der Journalist Angus Hervey hat die Geschichte des AKWs Hinkley Point C nuclear power station“ zusammengefasst. Der Artikel beginnt mit …

The latest news about the Hinkley Point nuclear power plant in the United Kingdom should be the end of the nuclear debate.

und endet mit …

Forget nuclear. Construct wind. Deploy solar. Build the batteries.

Dazwischen erzählt er mit einigen Zahlen die Story des Kraftwerks als Geschichte von Budgetüberschreitungen, Planänderungen und Terminverschiebungen.

Und Frau von der Leyen?

Tja, die EU geht halt wieder einmal einen Umweg in einer Schleife, statt wirklichen Fort-Schritt zu unternehmen. Schade. Die Konzerne werden schon entsprechend lobbyiert haben.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0
Would love your thoughts, please comment.x