Die Misere, die Katastrophe.
Der neueste Nahostkonflikt stürzt die Welt in eine Bredouille; was heißt da Bredouille: in eine tiefe Misere, eine Katastrophe. (Als ob die Klimakatastrophe nicht schon genug Last wäre.)
Einerseits stellen wir klar völkerrechtliche Angriffe auf einen Staat fest, die sich auch durch die Schutzbehauptung Israels (und der USA), es sei ein Präventivschlag dringend notwendig gewesen, in keiner Weise rechtfertigen lassen. Es war kein Präventivschlag im Sinne des Völkerrechts; und es ist völkerrechtswidrig.
Andrerseits hat dieser Angriff den Kopf eines grässlichen, unmenschlichen und menschenrechtsfeindlichen Regimes beseitigt – und ich meine damit nicht nur Ali Chamenei, sondern auch einen großen Teil der Führungsclique. Dass dieses Regime abgesetzt wird, war höchste Zeit. Doch es erweist sich als relativ stabil und verfügt über eine Ersatzbank. Wie lang die ist?
Aber welches Recht haben die USA und Israel, die sich um Menschenrechte sonst nicht besonders kümmern – nicht in Lateinamerika und nicht in Gaza – sich als Retter aufzuspielen? Keines!
Wolfgang Bauer meint in der Zeit:
Nichts wird dieser Angriff auf den Iran besser machen. Er wird die Welt nicht sicherer machen. Er wird die Menschheit nicht von Bösewichten und Bedrohungen befreien. Er wird Chaos erzeugen, Hass säen, und eine weitere Generation an blindwütigen Menschen gebären, die sich im Willen verzehren, den jeweils anderen zu vernichten.
Ich fürchte, er hat recht.
Im Iran …
Man sieht die Misere direkt im Iran. Auf den Straßen wird getanzt und gejubelt; ein paar Straßen weiter finden anti-amerikanische und anti-israelische Protestdemonstrationen statt, die den Tod Chameneis betrauern und beweinen. Ein Fernsehansager des staatlichen Rundfunks ist bei der Nachricht vom Tod Chameneis in Weinkrämpfe und Schluchzen ausgebrochen. Das hat echt ausgesehen, kann aber auch gut geschauspielert gewesen sein. Vielleicht war der Mann einfach ein Günstling des Staats, der es im Zeichen der Korruption bis zum Fernsehansager gebracht hat.
… und anderswo
Das Problem stellt sich ähnlich noch bei anderen Staaten. Sollen wir die Herrschaft der Taliban in Afghanistan tolerieren, ja sogar noch fördern, nur um afghanische Straftäter aus Österreich abschieben zu können? Lassen wir zu, dass Trump-Günstling Milei Argentinien an die Wand fährt – auf Kosten der Armen, kurzfristig zugunsten der Wohlhabenden? Tolerieren wir die allgegenwärtige Renaissance des Rassismus in den USA und machen dazu freundliche Nasenlöcher?
Was ist die richtige Strategie für eine Demokratisierung der Welt? Eine Demokratisierung muss gleichzeitig eine Entklerikalisierung sein – egal ob muslimisch-islamistisch oder christlich-evangelikal oder sonstwie.
Die Hoffnung
Wir brauchen ein positives Vorbild; mir fällt nur eines ein. Europa, die EU. Ein demokratisches, liberales Europa, in dem u.a. auch alle Religionen Platz haben, die ihre Gesetze nicht dem Staat unterschieben wollen. Mit einer radikalen Trennung von Kirche(n) und Staat.
Dieses Vorbild steht nicht schlecht da, aber man könnte, müsste, sollte noch einiges verbessern; man wäre dann noch glaubwürdiger. Ich hätte einige Ideen und bin nicht allein.
Die Geschichte ist immer auch mit Blut geschrieben worden; in den letzten 200 Jahren außerdem mit sehr viel Erdöl. Erdöl als Tinte geht aus; ist nachhaltige Energie friedlicher? Wird „die Geschichte der Zukunft […] nicht mehr mit Öl und Blut geschrieben“? Sind „Windräder bei Berlin [ein] Beitrag zum Weltfrieden?

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