Ein ungutes Theaterstück
Die Welt erlebt gerade ein unangenehmes Theaterstück: so was wie ein „Kaschperltheater“. Der Kaschperl (hochdeutsch Kasperl) ist ein Herr namens Infantino, seines Zeichens Präsident des Weltfußballverbands FIFA. Der will an sich eine Party, ein „Turnier“ veranstalten, eine „Fußball-WM“. Aber da gibt es noch ein Krokodil.
Das Krokodil ist Trump 2.0, der Präsident der USA. Er (bzw. es) rumort auf und hinter der Bühne. Es frisst die Berechtigung des somalischen Schiedsrichters Omar Artan, der seit 2018 FIFA-Schiedsrichter ist und Afrikas Schiedsrichter des vergangenen Jahres war. Herr Artan bekommt keine Einreiseerlaubnis.
Das Krokodil erlaubt der iranischen Fußballmannschaft kein Bleiben in den USA, obwohl alle ihre 3 Vorrundenspiele dort stattfinden: die Iraner müssen zu jedem Spiel aus ihrem Wohnort in Mexico anreisen und nach dem Spiel zurück. Iranischen Fußballzuseher:innen wurden die Karten entzogen: sie können die Spiele ihrer Mannschaft nicht sehen: „unter den gegenwärtigen Umständen ist der Verband nicht in der Lage, den Fans der Nationalmannschaft auch nur ein einziges Ticket zur Verfügung zu stellen“.
Fans aus Haiti würde es gleich gehen, obwohl das nur wenige Menschen betreffen dürfte. Haiti ist so arm: da wird sich niemand die Kartenpreise leisten können.
Ein Zirkus?
Das Ganze ist ein Zirkus – oder ein schlechtes Stück in einem Kaschperltheater. Ich denke, jeder vernünftige Mensch sollte aufstehen und gehen.
Keine Katastrophe
Die Zerwürfnisse zwischen der FIFA, ihrem Kaschperl und dem Krokodil sind an sich keine Katastrophe – ausgenommen für die direkt Beteiligten vielleicht. Sie sind im wahrsten Sinn des Wortes „natürlich“ – und sind auch keine wirkliche „Nachricht“ wert. Man lernt daraus:
Man begibt sich mit so einem Kaschperl und so einem Krokodil nicht gemeinsam auf eine Party. Das tut man nicht, das ist unvorsichtig und unanständig. Und wenn man auf die Party geraten ist? Dann geht man halt so schnell wie möglich.
