michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Forschung? Kriterien?

Die Wirtschaftskammer ließ ermitteln

Die österreichische Wirtschafts­kammer wollte einen Zusammen­hang zwischen Klima­schutz – bzw. einer Klima­­neutralität bis 2040 – und negativen wirtschaft­lichen Folgen untersucht haben. Insbesondere sollten die Auswirkungen des geplanten Erneuerbare-Energien-Gesetz-Verkehr (EEG-V) untersucht werden. Es war offenbar Ziel der „Forschung“, negative Auswirkungen des Klimaschutzes „festzustellen“. Greenpeace hat diese „Studie“ scharf kritisiert.

Wer führte die Studie durch?

Wer wurde mit der Studie beauftragt? Es war ein sog. „Economica Institut“, bei dem ein Christian Helmenstein Vorstandsmitglied und Geschäftsführer ist. Helmenstein bezeichnet sich da als „Universitätsprofessor der Privatuniversität Schloss Seeburg“. Außerdem ist derselbe Helmenstein Vorstandsmitglied der Industriellenvereinigung.

Die Studie

Es wurden 14 Folien vorgelegt; diese behaupteten eine Diesel-Verteuerung durch das EEG-V um 0,95 € pro Liter bis 2035. Laut Greenpeace waren diese Folien „ohne nachvoll­ziehbare methodische Substanz“. (Ohne nachvoll­ziehbare Methode ist etwas aber keine Wissenschaft.) Greenpeace sieht es als Skandel …

… dass WKO-Generalsekretär Danninger mit einer derart unhaltbaren Studie Stimmung gegen den Klimaschutz macht und die Grundlagen der Berechnung wie ein Staats­geheimnis unter Verschluss hält

Diese Meinung vertritt nicht nur Greenpeace. In der Tagezeitung „Die Presse“ kommen­tierten die Wirtschafts­wissenschaftlerin Sigrid Stagl (Wissenschaftler:in des Jahres 2024) und der Wirtschafts­wissenschaftler Karl Steininger:

Was die Wirtschaftskammer als Studie präsentiert, sind 14 Präsentations­folien. Kein Methodenteil, keine Elastizitäten, keine Sensitivitäts­analyse […] Die wichtigste Annahme der Berechnungen, die Entwicklung der Kraftstoffe, sei nicht überprüfbar, weil sie auf Unternehmens­prognosen basiere, deren Kalkulation Geschäfts­geheimnis sei

Also: die Berechnungen beruhen auf nicht überprüfbaren Prognosen, die aus Geschäfts­geheimnissen stammen.

Die Grünen sahen in der „Studie“ eine Gefährdung des Wirtschafts­standorts. Sie …

… unterstützen die Forderung von Greenpeace nach vollständiger Offen­legung der Studie und ihrer Berechnungs­grundlagen und fordern auch Transparenz bei Auftrag, Kosten und Finanzierung der Studie

Die Verteidigung

Studienautor Helmenstein erklärte darauf:

Die Untersuchung umfasse vier Module, von denen zwei fertig­gestellt und präsentiert worden seien.

Das heißt aus meiner Sicht, die Studie ist derzeit nicht nur ohne nachvoll­zieh­bare Methode, sondern überhaupt erst zur Hälfte fertig. Und weiter:

Sobald die Arbeit an den weiteren Modulen abgeschlossen wurde, wird die vollständige Langfassung der Studie, wie bereits bei der Presse­konferenz avisiert, selbst­verständlich zur Verfügung stehen

Damit ist allerdings weder versprochen noch gesichert, dass diese „Langfassung“ eine nachvollziehbare Methodik nachweisen wird.

Mein Resumee

Wirtschaftsbund (ÖVP), Wirtschaftskammer (WKO) und Industriellenvereinigung (IV) wollen nachweisen, dass Klimaschutz den „Wirtschafts­standort“ gefährde. Dazu beauftragen sie ein „Institut“ – es heißt wie eine angesehene Fachzeitschrift – mit einer „Studie“. Dieses Institut ist mit einer Privat­universität verknüpft; in dieser ist ein Funktionär der IV als Professor für Volkswirtschaft tätig. Gleichzeitig ist er im Institut Geschäftsführer. Der Mann ist also IV-Funktionär, Universitätsprofessor und Geschäftsführer: er leitet die „Studie“. Gibt es da Interessens­kollisionen in Bezug auf die wissen­schaftliche Objektivität (Neutralität) und Validität oder sieht man das als „Interessens­synergien“?

Die Erhebung wird nur zur Hälfte abgeschlossen, wird aber trotzdem mit vermeint­lichen Auswirkungen präsentiert, deren Berechnung nicht nachvollzieh­bar ist.

In Wirklichkeit

In Wirklichkeit stärkt Klimaschutz den Wirtschaftsstandort, weil er gegenüber anderen Ländern, die noch nicht so weit sind, Standortvorteile schafft. Ich habe das bereits im Artikel „Klimaschutz als Standortvorteil“ vom 14.10. argumentiert: Klimaschutz schafft über Umwelttechnologie Arbeitsplätze und macht Österreich schneller unabhängig von fossilen Energie­­importen und den damit verbundenen Krisen und Preis­schwankungen. Wer aus der Verbrennertechnologie aussteigt, fördert damit die Wirtschaft.

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