Eine noble Party eskaliert
In einer Bar in einem Schweizer Nobel-Skiort ist im Rahmen einer Silvesterparty um ca. 1:30 ein Brand ausgelöst worden. 40 meist sehr junge Partygäste sind am Ort des Geschehens verstorben, an die 120 liegen schwer verletzt mit großen Brandwunden in verschiedenen Krankenhäusern. Erst nach Tagen konnten endlich alle Opfer identifiziert werden: sie waren durch ihre schweren Verbrennungen nicht mehr erkennbar.
Viele Leute fragen sich entsetzt, wie so etwas passieren konnte.
Der Inhaber der Bar – er verwaltet noch 2 weitere – hat regelmäßige Kontrollen behauptet; der Bürgermeister stellt in einer Pressekonferenz fest, die letzte Kontrolle sei 2019 geschehen; das tue ihm sehr leid. Offenbar hat der Inhaber nicht mehr auf dem Schirm, wann welche seiner Bars kontrolliert worden ist. Der Bürgermeister hatte nicht auf dem Schirm, wann und was kontrolliert werden muss. Die Gäste hatten die Gefahren von Feuer im Keller in Verbindung mit Alkohol nicht auf dem Schirm. Es fehlt allenthalben an Haus- und Sachverstand.
Ich sehe 3 Faktoren:
- die Spaßgesellschaft
- ein ausgeprägter Geschäftssinn
- eine laxe Verwaltung
Das reicht im Normalfall.
Kann das überall passieren? Ja, im Wesentlichen schon. Das Après-Ski-Business ist überall mehr oder minder gleich.
Die „Spaßgesellschaft“
Was tun 14-, 15-, 16-jährige nach einem Tag Schilauf am Abend und in der Nacht? Sie „feiern“, sie „machen Party“, auch noch um 1:30 Uhr. Das ist nicht klug.
Um zu feiern bestellt eine Gruppe von Gästen Getränke. Serviert werden sie – als „Show“ – unter Mitwirkung einer Kellnerin, die einer anderen auf den Schultern sitzt und in jeder Hand eine Champagnerflasche hält, auf der eine „Wunderkerze“ montiert ist. Die Wunderkerzen bringen die Schallisolierung an der Decke zum Brennen. Man sieht auf Videos im Netz, wie die Decke 15 Minuten vor dem Ausbruch des Großbrands bereits brennt und die Party drunter munter weitergeht.
Der „Geschäftssinn“
Die Bar ist im Keller; sie hat nur schmale, enge Ein- und Ausgänge. Man stolpert über Stufen: klar, im Keller.
Die Gäste wollen feiern; man bietet ihnen eine „Show“ mit einem Hauch Artistik, einem Hauch „Erotik“, ein bisschen Feuer und viel Alkohol. Champagner fließt, auch andere Flüssigkeiten sind vorhanden. Und aus einem bisschen Feuer wird rasend schnell ein großes Feuer.
Eine laxe Verwaltung
Es ist letztlich unklar, wann die Bar zum letzten Mal einer Überprüfung unterzogen worden ist. Es hat im Personal offenbar keine:n Brandschutzbeauftragte:n gegeben – der/die hätte auch Geld gekostet und den „Spaß“ teurer gemacht. Kontrolle wird als Geschäftsstörung gesehen: dem Vorwurf will sich auch der Bürgermeister nicht aussetzen.
Schlüsse?
Jede Schule hat eine:n Brandschutzbeauftragte:n; jedes Nachtlokal müsste auch eine:n haben, der/die anwesend ist und eine entsprechende Ausbildung nachweisen kann. Lokale mit „besonderer“ Architektur (z.B. Keller) und Ausstattung müssten regelmäßig am Beginn der Saison bzw. nach Umbauarbeiten überprüft werden. Auch wenn das einem Betreiber als „Schikane“ erscheint.
Junge Leute müssten begreifen, dass die Spaßgesellschaft gefährlich ist, speziell dann, wenn man sich ihr ohne besonderen Verstand, „ohne Hirn“ hingibt. Hirn darf durch gesellschaftlichen Druck nicht ausgeschaltet werden. Der dümmste aller Slogans: No risk no fun.
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
(Kant)

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