michael bürkle

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Michael Bürkle

Fun, Business, keine Kontrolle

Eine noble Party eskaliert

In einer Bar in einem Schweizer Nobel-Skiort ist im Rahmen einer Silvester­party um ca. 1:30 ein Brand ausgelöst worden. 40 meist sehr junge Party­gäste sind am Ort des Geschehens verstorben, an die 120 liegen schwer verletzt mit großen Brand­wunden in verschiedenen Kranken­häusern. Erst nach Tagen konnten endlich alle Opfer identifiziert werden: sie waren durch ihre schweren Ver­brennungen nicht mehr erkennbar.

Viele Leute fragen sich entsetzt, wie so etwas passieren konnte.

Der Inhaber der Bar – er verwaltet noch 2 weitere – hat regelmäßige Kontrollen behauptet; der Bürger­meister stellt in einer Presse­konferenz fest, die letzte Kontrolle sei 2019 geschehen; das tue ihm sehr leid. Offenbar hat der Inhaber nicht mehr auf dem Schirm, wann welche seiner Bars kontrolliert worden ist. Der Bürger­meister hatte nicht auf dem Schirm, wann und was kontrolliert werden muss. Die Gäste hatten die Gefahren von Feuer im Keller in Verbindung mit Alkohol nicht auf dem Schirm. Es fehlt allent­halben an Haus- und Sachverstand.

Ich sehe 3 Faktoren:

  • die Spaßgesellschaft
  • ein ausgeprägter Geschäftssinn
  • eine laxe Verwaltung

Das reicht im Normalfall.

Kann das überall passieren? Ja, im Wesentlichen schon. Das Après-Ski-Business ist überall mehr oder minder gleich.

Die „Spaßgesellschaft“

Was tun 14-, 15-, 16-jährige nach einem Tag Schilauf am Abend und in der Nacht? Sie „feiern“, sie „machen Party“, auch noch um 1:30 Uhr. Das ist nicht klug.

Um zu feiern bestellt eine Gruppe von Gästen Getränke. Serviert werden sie – als „Show“ – unter Mitwirkung einer Kellnerin, die einer anderen auf den Schultern sitzt und in jeder Hand eine Champagner­flasche hält, auf der eine „Wunderkerze“ montiert ist. Die Wunder­kerzen bringen die Schall­isolierung an der Decke zum Brennen. Man sieht auf Videos im Netz, wie die Decke 15 Minuten vor dem Ausbruch des Großbrands bereits brennt und die Party drunter munter weiter­geht.

Der „Geschäftssinn“

Die Bar ist im Keller; sie hat nur schmale, enge Ein- und Ausgänge. Man stolpert über Stufen: klar, im Keller.

Die Gäste wollen feiern; man bietet ihnen eine „Show“ mit einem Hauch Artistik, einem Hauch „Erotik“, ein bisschen Feuer und viel Alkohol. Champagner fließt, auch andere Flüssigkeiten sind vorhanden. Und aus einem bisschen Feuer wird rasend schnell ein großes Feuer.

Eine laxe Verwaltung

Es ist letztlich unklar, wann die Bar zum letzten Mal einer Über­prüfung unter­zogen worden ist. Es hat im Personal offenbar keine:n Brand­schutz­beauftragte:n gegeben – der/die hätte auch Geld gekostet und den „Spaß“ teurer gemacht. Kontrolle wird als Geschäfts­störung gesehen: dem Vorwurf will sich auch der Bürgermeister nicht aussetzen.

Schlüsse?

Jede Schule hat eine:n Brandschutz­beauftragte:n; jedes Nacht­lokal müsste auch eine:n haben, der/die anwesend ist und eine entsprechende Aus­bildung nach­weisen kann. Lokale mit „besonderer“ Archi­­tektur (z.B. Keller) und Aus­stattung müssten regelmäßig am Beginn der Saison bzw. nach Umbau­arbeiten überprüft werden. Auch wenn das einem Betreiber als „Schikane“ erscheint.

Junge Leute müssten begreifen, dass die Spaß­gesellschaft gefährlich ist, speziell dann, wenn man sich ihr ohne beson­deren Ver­stand, „ohne Hirn“ hingibt. Hirn darf durch gesell­schaftlichen Druck nicht ausgeschaltet werden. Der dümmste aller Slogans: No risk no fun.

Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
(Kant)


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