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Michael Bürkle

Fußball „professionell“

Der Fußball wird unseriös – wenn er professionell wird

Fußball ist ein schöner Sport – an sich. Wenn er als Beruf ausgeübt wird, wird er sehr schnell äußerst unseriös. Das zieht sich dann bis zum Weltverband FIFA hinauf.

Eine Geschichte aus der obersten österreichischen Fußballliga kann das illustrieren:

Verein A hat gegen Verein B zu spielen. B hat einen sehr guten französisch-afrikanischen Spieler, gerade 26 Jahre alt. Der Trainer von A kennt ihn: er war davor Trainer bei B. Er ruft den jungen Mann vor dem Spiel an und macht ihm ein Angebot: er soll von B zu A wechseln. In der Folge verweigert der junge Mann die Fahrt zum Fußballspiel zwischen A und B. A gewinnt 1:0.

Der „professionelle“ Trainer von A bringt durch einen Anruf einen jungen Spieler im Kopf durcheinander: er macht ihm ein Übersiedlungsangebot. Darauf bricht der junge Afrikaner seinen „professionellen“ Vertrag bei B, fährt zum Match nicht mit und schwächt damit seine Mannschaft. „Dummer Bub“: er hat damit seinen Vertrag gebrochen. Warum? Er wollte seinem ehemaligen und vermutlich zukünftigen Trainer gefallen und sich beim Verein A eine bessere finanzielle Basis schaffen. Durch seine Weigerung, zum Spiel mitzufahren, hat er aber Öffentlichkeit erzeugt.

In einem Interview wird der Trainer gefragt, warum das Telefonat mit dem Spieler nicht erst nach dem Match geführt worden ist. Er meint:
„Ich finde, dass ein ganz normaler Prozess abgelaufen ist, wie es immer ist. Man kann sich natürlich ins Gesicht lügen, dass man sagt, dass Vereine nicht mit Spielern sprechen. Ich glaube, dass kein Transfer dieser Welt zustande kommen wird, wenn ein Spieler nicht mit einem Trainer spricht.“

Bis daher war es offenbar, „wie es immer ist“. Das sind die Zustände. Man telefoniert vor Spielen. Aber dann kam ein Missverständnis. Der junge Mann hätte mitfahren sollen, hätte schlecht spielen sollen und er wäre für eine Übersiedlung zu Verein A damit sogar „billiger“ geworden. Vielleicht wäre sogar ein Eigentor ein geschäftlich sinnvoller Beitrag geworden.

Blöd gelaufen: Verein A kann den Spieler nun nicht mehr „kaufen“, denn dann wird die unseriöse Handlungsweise ganz offensichtlich. Andrerseits kann Verein B den Spieler nicht mehr ernsthaft beschäftigen, weil er offensichtlich andere Interessen verfolgt. Da bleibt vermutlich nur mehr der Weg in ein anderes Land und eine andere Liga.

*

Im Profi-Fußball steckt viel Geld: für Spieler, für Trainer. Und für Glücksspieler. Man kann auf verschiedensten Ebenen manipulieren, auch in den obersten Ligen; man kann auf Ereignisse, die von Einzelpersonen gestaltet werden, viel Geld wetten. Einzelpersonen können Ereignisse auf mehreren Ebenen „frei gestalten“. Da ist „professionellem“ Schwindel und Betrug Tür und auch Tor (!) geöffnet. Und das ist nicht nur in Österreich so.


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