Eine gute „Zeitung“
Die Wiener Zeitung war ein Qualitätsblatt im Eigentum des österreichischen Staats; sie war eine Zeitlang die älteste auf Papier erscheinende Zeitung der Welt. Seit 1.7.2023 erscheint sie nur mehr digital; die Artikel sind aber immer noch überdurchschnittlich gut. Man findet immer wieder sehr gut lesbare und hoch-interessante.
Das „Idol“
Gestern habe ich wieder einen gefunden: „Wenn dein Idol in den Epstein-Files auftaucht“ von Emran Feroz. Der Autor beschreibt, dass er Nachricht darüber bekommen hat, dass ein „Idol“ von ihm auf einem Foto mit Jeffrey Epstein aufscheint: der berühmte Sprachwissenschaftler und politische Denker Noam Chomsky. Herr Feroz hat zu Chomsky ein ähnliches Verhältnis wie ich: ein fast unerreichbares Vorbild, ein „Idol“, einer, der mein Denken mitgeprägt hat.
Herr Feroz sei „enttäuscht“ und „fassungslos“ und sehe – trotz klar gegebener Unschuldsvermutung – eine „Kontaktschuld“ seitens Chomskys: „Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich um eine sogenannte Kontaktschuld.“ Es sei keinerlei „Schuld“ Chomskys bekannt, aber es bleibe „ein tiefer Kratzer“.
Ich verstehe das nicht
„Kontaktschuld“ – das war im Nachkriegsdeutschland eine unterstellte „Schuld“, wenn man im Kontakt mit „Linken“ bzw. „Feinden“ der neuen Verfassung stand. Auch in der McCarthy-Ära in den USA wurde mit der „Kontaktschuld“ gearbeitet, beschuldigt und angeklagt. Dieses Konzept ist Unsinn: der Kontakt mit Andersdenkenden macht noch keine Schuld. Der Begriff Kontaktschuld ist da ganz nahe an der Sippenhaft: nach der ist man schuldig, weil man verwandt ist mit Schuldigen. Das ist Nazi-Denken. Es gibt keine „Schuld“ durch bloßen Kontakt, auch wenn das manche unterstellen wollen. Mein Chomsky-Bild hat deswegen noch lange keinen Kratzer.
Wie kam es zum Foto?
Wie ist Chomsky auf ein Foto mit dem Verbrecher und Vergewaltiger Epstein gekommen? Das ist nicht bekannt; da gibt es viele Möglichkeiten. Es kann gut sein, dass das Epstein arrangiert hatte, um sein Image mit so einem Foto zu behübschen. Eine „Schuld“, eine „Kontaktschuld“ für Chomsky entsteht da nicht.
(Ein bisserl anders ist das bei Trump 2.0. Da gibt es nicht ein Foto, da gibt es viele. Da gibt es Widmungen und andere Schreiben. Da gibt es konkrete Hinweise, dass die beiden ähnliche „Interessen“ hatten. Trotzdem beweisen die Fotos, die bekannt sind, keine Verbrechen Trumps, sondern allenfalls ein Naheverhältnis bzw. ein sehr nahes Verhältnis. Und da kann es sinnvoll sein, genau nachzufragen.)
Ich bin ganz sicher auch auf Fotos aufgetaucht mit politischen „Gegnern“. Eines zeigt mich Seite an Seite bei einer Demo mit dem überwachenden Staatspolizisten. Wir hatten nie einen privaten, näheren Kontakt – aber das Foto gibt es.

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