Es geht um ein Kreuz
Ein israelischer Soldat hat im Libanon ein christliches Kreuz beschädigt, indem er ihm mit einer Hacke auf den Kopf geschlagen hatte. Ein anderer Soldat hat das fotografiert.
Die israelische Militärführung und die Politik überschlugen sich geradezu in Entschuldigungen und Erklärungen. Nun ist ein Urteil gefällt worden: „Zwei Soldaten müssen für 30 Tage ins Militärgefängnis, berichteten Kathpress und Katholische Nachrichtenagentur heute.“
Ja, das gehört sich nicht, Glaubenssymbole anderer Religionen zu beschädigen oder zu verstümmeln. 30 Tage Haft kommt mir da aber ein bisschen viel vor: letztlich ist es die Beschädigung eines Gegenstands.
Ich spüre viel weniger, fast nichts von militärischer oder politischer Beschämung, wenn im Südlibanon, im Westjordanland, in Gaza, in Teheran in militärischen oder auch in paramilitärischen Auseinandersetzungen wirkliche Menschen umgekommen sind. Das ist tragisch; das ist beschämend; da gehört die israelische Beschämung hin. (Mit paramilitärisch meine ich hier die Siedler, die die arabische Bevölkerung schikanieren, quälen und umbringen, um sie zu vertreiben und das ganze Westjordanland jüdisch zu machen.)
ach so zerknirscht!
Aber die israelische Führung weiß offenbar: unsere militärischen Bündnisgenossen in den USA sehen sich als Christen. (Sie „sehen sich“; inwieweit sie „Christen“ sind, könnte man den Papst fragen.) Da muss man sich ordentlich zerknirscht zeigen. 30 Tage Haft sollten vielleicht reichen.
