EU-Außenbeauftragte Kallas will die NATO „europäischer“
„NATO muss europäischer werden“ titelt der ORF heute.
Angesichts einer veränderten US-Politik drängen führende EU-Vertreter auf eine rasche militärische Eigenständigkeit Europas.
No na, würde ich gut österreichisch ergänzen. Das schlage ich schon lange vor. Endlich kommt das in den Führungsetagen an.
Der Kontinent sei nicht mehr der primäre Schwerpunkt Washingtons, und diese Verschiebung sei strukturell, nicht vorübergehend …
… meint die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Ja, das lässt sich aus der „National Security Strategy“ bzw. der „National Defence Strategy“, die die USA vor Kurzem herausgegeben haben, unmissverständlich heraulesen.
Zwar strebe die EU weiterhin starke transatlantische Beziehungen an, und die USA blieben ein Verbündeter, …
wird Frau Kallas zitiert – und hier gehen unsere Meinungen auseinander. Sogar „starke transatlantische Beziehungen“ kann ich mir auch weiterhin vorstellen – aber mit Kanada, nicht mehr mit den USA. Mit den USA sollten wir die transatlantischen Beziehungen ehestens kappen: mit der Truppe um Trump 2.0 ist keinerlei vernünftige Sicherheitspolitik (oder Politik überhaupt) machbar; da wird man höchstens in ungute Auseinandersetzungen hineingezogen, die man gar nicht braucht und will. Es gelingt mir nicht mehr, die USA als „Verbündeten“ zu sehen; ganz und gar nicht. (Sogar das österreichische Bundesheer sieht die USA bereits als Gefahr, aber Russland noch als die größere.)
„europäischer“
Was Frau Kallas unter einer „europäischeren NATO“ versteht, habe ich „European Defence Organisation“ (EDO) genannt – und hätte Kanada dazu eingeladen.
Wir sind da nicht mehr weit auseinander. Der Außenbeauftragten fällt es offenbar halt noch schwer, von den USA als „Verbündeten“ Abschied zu nehmen. Bei mir ist das gedanklich vollzogen. Aber ich bin der europäischen Politik schon länger etwas voraus, scheint mir.
Der Trump-Flüsterer
Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte sieht das leider anders. Er hält Europa ohne die USA für „nicht verteidigungsfähig“, wie der Spiegel berichtet. Er kommt da mit Horrorrechnungen über die Kosten einer „europäischen Armee“. Das ist aber Unsinn. Denn wir brauchen keine europäische Armee; es gibt genug europäische Armeen. Wir brauchen nur eine gemeinsame Kommandostruktur und eine gute Kooperation. Das letztere ist mit den USA nicht denkbar.
Aber Rutte ist ein besonderer Fan von Trump 2.0; er „kann“ mit ihm und hat gut heraus, wie man dem US-Präsidenten „schön tut“ und sich bei ihm einschleimt. Es gibt da schon einige bezeichnende Beispiele.
Zeit seltsamer Komparative
Wir sind in einer Übergangszeit; man merkt das auch sprachlich. Die USA kündigen uns eine „begrenztere“ Unterstützung an und Frau Kallas will die NATO „europäischer“. Beides geht sprachlich an sich nicht. Entweder ist eine Unterstützung begrenzt oder nicht; „begrenzter“ ist Unsinn. Entweder ist ein Verteidigungsbündnis europäisch oder nicht; „europäischer“ ist Unsinn. Die Steigerungsformen, die Komparative sind äußeres Merkmal eines noch nicht abgeschlossenen Wandels.
Es gibt eben Eigenschaftswörter, die an sich nicht steigerungsfähig sind: senkrecht, waagrecht, rechtwinklig; begrenzt, europäisch; schwarz, weiß usw. Formal geht es zwar immer, aber es wird sofort metaphorisch.
Weitere interessante Beiträge aus dem Netz:
„Die Lage ist tatsächlich ernst“. Mark von Lüpke interviewt auf t-online den Historiker Jan C. Behrends
„Die alte Weltordnung ist vorbei“ – Frederiksen warnt Europa. Artikel von Frank Specht im Handelsblatt

Schreibe einen Kommentar