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Michael Bürkle

Keine „Wasserkrise“ …

… sondern „Wasserbankrott“

Der ORF berichtet über einen Bericht der Universität der Vereinten Nationen in Kanada. Haupt­autor des Berichts ist Kaveh Madani, er ist dort der Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit.

Da heißt es:

Die Welt tritt in ein „Zeitalter des globalen Wasser­bankrotts“ ein, so das Fazit eines neuen Berichts der Vereinten Nationen (UNO): Begriffe wie „Wasser­knappheit“ und „Wasser­krise“ spiegeln die Realität an vielen Orten nicht mehr wider, denn sie suggerieren potenziell reversible Zustände. In Wahrheit gebe es inzwischen unumkehr­bare Verluste bei Süßwasser­reserven.

Also: keine „Krise“, keine „Knappheit“, sondern ein „Bankrott“! Die Mangelzustände sind z.T. nicht mehr reversibel, also nicht umkehrbar.

Ich denke, das darf uns nicht überraschen. Zu zahlreich waren seit Jahren sehr viele Meldungen über gravie­renden Wasser­mangel und über katastrophale Dürren – nicht nur aus unseren Alpen oder aus dem Iran. Aber jetzt haben wir es schrift­lich. Der menschen­gemachte Klima­wandel bringt global Wasser­systeme zum Kippen.

Laut dem Bericht haben …

… viele Gesellschaften [… ] nicht nur ihr jährliches Kontingent an erneuer­barem Wasser aus Flüssen, Böden und Schneedecken über­schritten, sondern auch ihre lang­fristigen Reserven in Grundwasser­leitern, Gletschern, Feucht­gebieten und anderen natürlichen Reservoirs aufgebraucht. [fett von mir]

Ja, da sind auch wir in Österreich mitgemeint, die wir noch über ein scheinbar unerschöpf­liches Reservoir an sauberem Trinkwasser verfügen. Aber der Grundwasser­spiegel sinkt an vielen Stellen; die Gletscher als lang­fristige Wasser­speicher ziehen sich unaufhalt­sam zurück – und verschwinden. (Zuerst kommt aus dem schmelzenden Gletscher noch zusätzliches Schmelz­wasser; aus dem geschmolzenen Gletscher kommt später aber keines mehr.)

Vier Milliarden Menschen sind mindestens einen Monat pro Jahr schwerer Wasser­knappheit ausgesetzt. Drei Milliarden Menschen leben in Gebieten, in denen die gesamten Wasser­vorräte zurückgehen oder instabil sind.

Wie kann Wasser knapp werden?

Vielfach überstiegen die Entnahmen die Neubildung. Und selbst dort, wo die Wasser­mengen stabil scheinen, schrumpfe der tatsächlich nutzbare Anteil. Zu den Ursachen zählten Grundwasser­verschmutzung, Übernutzung von Ressourcen, Degradation von Land und Böden, Entwaldung und Umwelt­verschmutzung, noch verschärft durch die globale Erwärmung.

Ja, auch Entwaldung kostet Wasser.

Bedeutet Bankrott das Ende?

Keinesfalls – das ist den UNO-Experten wichtig. „Eine Insolvenz zu erklären bedeutet nicht, aufzugeben – es bedeutet, neu anzufangen“, betonte Madani. Indem der globale Wasser­bankrott anerkannt werde, könnten endlich schwierige Entscheidungen getroffen werden. „Je länger wir zögern, desto größer wird das Defizit.“

Nötig sei eine neue, von Ehrlichkeit, Mut und politischem Willen geprägte Reaktion: Insolvenz­management statt Krisen­management. „Wir können verschwundene Gletscher nicht wieder­herstellen oder stark verdichtete Grundwasserleiter wieder auffüllen, so Madani. „Aber wir können den weiteren Verlust unseres verblei­benden Natur­kapitals verhindern und Institutionen neu gestalten, um innerhalb neuer Wasser­grenzen zu leben.“

Eine kleine persönliche Ergänzung

Wir verlieren nicht an Wasser; wir verlieren Süßwasser. Aber der Salzwasser­spiegel in den Ozeanen steigt und wird Städte an Meeres­ufern und große Gebiete an den Ufern überschwemmen. Das Steigen des Meeres­spiegels bzw. das Absinken von Städten ist bereits messbar. Wir werden dadurch massive Verluste an Wohn­gebieten erleiden; es wird deshalb Flucht­bewegungen geben – und daraus resultierend vermutlich auch Kriege.

Wenn wir nicht umstellen!


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