michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Klaut KI?

Ja. Natürlich.

a) Navier-Stokes

Man konnte es lesen: KI-Programme haben extrem schwierige mathematische Probleme gelöst. Da war das sogenannte „Navier-Stokes-Problem“, eines der „Millenium-Probleme“. Davon gibt es 7 Stück; sie stammen aus dem Jahr 2000. Für ihre Lösung sind hohe Preise ausgesetzt.

Für das Navier-Stokes-Problem hatten Mathematiker selbst KI-Programme verwendet und über ihre Fortschritte elektronische kommuniziert. Dann meldete sich ein Programm von OpenAI mit einem Ergebnis. Inwieweit die nicht-formelle, nicht-öffentliche Diskussion unter Mathematikern zur Lösung beitrug, konnte nicht geklärt werden. Es gibt verschiedene Darstellungen des Sachverhalts.

Buckmaster [einer der beteiligten Mathematiker] geht derweil weiterhin der Frage nach, ob OpenAI Daten aus seinen Interaktionen mit den eigenen Modellen genutzt haben könnte, um ihn und Alpöge [ein anderer der Beteiligten] bei der Veröffentlichung zu überholen.

b) Gruppentheorie

Ein Professor der TU Dresden, Andreas Thom, äußert einen ähnlichen Verdacht, nämlich:

[…] dass unveröffentlichte Forschungsinhalte aus seinen ChatGPT-Unterhaltungen in das Training von OpenAI-Modellen eingeflossen seien. Damit könnten sie möglicherweise zu einem anderen mathematischen Durchbruch beigetragen haben, den OpenAI Anfang August vorgestellt hat.

Tja: wenn man sich im Internet mit Kolleg:innen über mathematische Probleme austauscht, ist das zwar nicht öffentlich, kann aber trotzdem von KI-Programmen „mitgehört“ werden. Und die können dann das mit einer riesigen Menge anderer Daten verknüpfen – und ein Problem „lösen“.

Prof. Thom schreibt:

wenn unveröffentlichte Forschung von Nutzern zur Verbesserung eines Modells beiträgt und der Anbieter dieses Modell anschließend nutzt, um ihnen bei der Veröffentlichung zuvorzukommen (…), wäre das ethisch unvertretbar“, […]

Sukkus

Mathematische Forschung ist letztlich immer Teamarbeit, und oft ist der Mensch, der einen korrekten Beweis für eine Frage vorlegt, der letzte in einer Kette von Beiträger:innen. Was notwendig ist: die Beiträge anderer, die auch mitgewirkt haben, entsprechend zu zitieren. So gehört sich das, so kann man leben. Auch unter Menschen gibt es aber manchmal Meinungsverschiedenheiten darüber, wer von wem was hat.

KI kennt da offenbar (noch!) keine Skrupel. Es ist geradezu der Zweck von KI, aus riesigen Mengen von Texten neue (möglichst „wahrscheinliche“) Texte zu generieren. Natürlich „klaut KI“: das ist ihre grundlegende Technik. In Alltagstexten spielt das keine Rolle; an der Grenze der Forschung ist das wesentlich empfindlicher.

Ich denke, Mathematiker:innen – und auch alle anderen Wissenschaftler:innen – sollten aufhören, mit KI miteinander zu kommunizieren. KI klaut. Immer!


Beitrag veröffentlicht

in

,
Subscribe
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare
ältesten
neuesten am meisten bewertet
0
Would love your thoughts, please comment.x