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Michael Bürkle

Klima und Waldbrände

Einerseits

Heute morgen hat der ORF im Science-Bereich seiner Nachrichtenseite einen Artikel veröffentlicht, der in verdienstvoller Absicht Waldbrände als Folgen des Klimawandels darstellt: „Erderwärmung verschärft Waldbrandgefahr“ heißt es da. Ja, das ist natürlich richtig; manche sagen da vielleicht sogar schon „no na ned“!

Eine „Schnellanalyse“ zeige, …

dass die Klimaerwärmung einen klaren Einfluss auf die heurigen Waldbrände im Mittelmeer-Raum gehabt hat. Die Fachleute warnen davor, dass Intensität und Häufigkeit derartiger Brände mit steigenden Temperaturen weiter zunehmen werden.

Ja, auch das ist richtig. Sowohl die Häufigkeit der Waldbrände als auch ihre Heftigkeit („Intensität“) werden durch den Klimawandel verstärkt.

2025 sei das bisher schlimmste Jahr an Waldbränden geworden: eine Fläche von „mehr als einer Million Hektar“ sind heuer schon verbrannt. Heißes, trockenes, windiges Wetter haben die Situation verschärft. Österreich sei zwar nicht gleichermaßen gefährdet wie die südlichen Länder Europas (Türkei, Griechenland, Zypern, Italien, Spanien, Protugal), aber durch die Klimaerwärmung steige „das Risiko aber auch hierzulande von Jahr zu Jahr an“.

Einerseits. So weit alles klar: ausgedörrte, trockene Wälder brennen viel leichter. No na ned.

Andrerseits

Andrerseits vermisse ich gerade im Artikel einer Science-Redaktion auch die umgekehrte Perspektive. Waldbrände sind nicht nur eine natürliche selbstverständliche Folge des menschengemachten Klimawandels, sondern auch ein wesentlicher Faktor für die Entstehung und Verschärfung des Klimawandels. Ja: Klimawandel macht Waldbrände. Und Waldbrände machen Klimawandel.

Ein Waldbrand setzt sehr viel CO2 frei; CO2 ist – neben Methan – das Treibhausgas, das die Erde erhitzt, weil es die Sonnenstrahlung in der Atmosphäre hält. Und derart riesige Waldbrände wie in ganz Südeuropa haben das Treibhausgasbudget ganz schön durcheinander gebracht.

Aber das ist noch nicht alles: Bäume entnehmen an sich der Luft CO2, um es per „Photosynthese“ mit Wasser zu „Zucker“ (und anderen Bio-Baustoffen) zu verwandeln. Bäume – und damit ganze Wälder – bestehen also aus verwandeltem CO2 und Wasser. Wälder sind riesige CO2-Senken: Gebiete, in denen CO2 aus der Luft entnommen wird. Aber verbrannte Bäume haben diese Fähigkeit verloren: sie betreiben keine Photosynthese mehr. Sie lassen das CO2 in der Atmosphäre.

Damit ist jeder Waldbrand im mehrfacher Hinsicht ein Faktor, der den menschengemachten Klimawandel beschleunigt: (a) er heizt die CO2-Ausscheidung an und (b) er reduziert die CO2-Entnahme.

Kipp-Punkt

Die Vernichtung von Wäldern (durch Waldbrände u.dgl., aber auch durch massive Abholzung, z.B. im Amazonas-Gebiet) und der Klimawandel heizen sich gegenseitig an. Klimawandel macht Waldbrände, Waldbrände verstärken den Klimawandel. Wenn sich das längere Zeit fortsetzt, geraten wir in eine Spirale und das gesamte ökologische System „kippt“. Wenn wir die Wälder zu wenig schützen, zu wenig aufforsten, wird der Klimawandel noch ärger, und dann werden die Wälder noch weniger und der Klimawandel wird stärker und ärger und und und …


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