michael bürkle

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Michael Bürkle

So etwas wie Klimaoptimismus

Ist das sinnvoll? Soll das sein?

In der Wochenendausgabe 17./18.10. hat der Standard auf S. 31 ein großes Interview mit dem ORF-„Wettermann“ Marcus Wadsak gebracht. Wadsak ist nicht nur Wettermoderator, sondern auch Metereologe und Klimajournalist. Er ist einer, der komplexe Sachverhalte relativ einfach darstellen kann – eine wichtige Begabung.

Das Interview ist unter dem Titel „Wadsak: „Jeder kann eine eigene Meinung haben, aber keine eigenen Fakten“ auch online erschienen. Heute bekommt Wadsak den Walther-Rode-Preis, weil er „Wetterphänomene auf wissenschaftlicher Basis und in einer verständlichen Sprache“ erklärt.

Zu einem guten Teil geht es im Interview um Reaktionen von Klimawandelleugnern. Dann stellt der Standard eine Frage zur Zukunft und Wadsak antwortet:

STANDARD: Wenn wir 2050 auf Österreich blicken: Wie wird unser Alltag? Wie werden unsere Städte aussehen?

Wadsak: Also nachdem Österreicher 2040 klimaneutral sein wird, so steht es im Regierungspapier: In meiner Vorstellung ist das eine schöne Zukunft, die wir vor uns haben. Wir sind nicht mehr abhängig von Öl und Gas, weil wir es nicht mehr brauchen. Wir haben eine Mobilität, die keine Abgase, keinen Lärm und auch keine Wärme mehr erzeugt. Ein Auto ist zum Fahren da und nicht, dass es laut ist und Wärme erzeugt. Beides tut aber ein Verbrennungsmotor. Wir haben effizientere Produkte, mit denen wir mobil sein werden, mit denen wir heizen, mit denen wir Warmwasser generieren, mit denen wir Energie erzeugen. Das werden wir ausbauen und es wird unseren Strom und Energie billiger machen. Wo du billige Energie hast, wird sich die Wirtschaft niederlassen. Wenn wir uns weiterhin an Gaspreisen orientieren, werden wir Wirtschaftsabwanderung erleben.

Das macht natürlich Mut in einer Zeit, wo man oft genug an der Politik verzweifeln könnte. Aber ist so eine Aussage politisch sinnvoll? Führt sie nicht zu einer Wurschtigkeit im Sinne von „eh nicht so schlimm; das schaffen wir locker“?

Klimaneutralität mit 2040

Wadsak nimmt die Regierung beim Wort: das offizielle Ziel ist für Österreich Klima­neutralität bereits 2040. Dabei gibt es starke Kräfte, die das nicht wollen, die beim EU-Klimaziel 2050 bleiben wollen. Wer? „Die Wirtschaft“, „Die Industrie“, gemeint sind also Wirtschafts­bund (ÖVP) und Wirtschafts­kammer und Industriellen­vereinigung. Teile der Regierung haben sich auch schon ein paar Ausreden zurechtgelegt, falls es sich nicht ganz ausgeht; der Klimaminister betätigt sich aktiv als Dünnbrett­bohrer.

Da ist Wadsak ganz konkret: „Wo du billige Energie hast, wird sich die Wirtschaft niederlassen.“ Und außerdem: „Wenn wir uns weiterhin an Gaspreisen orientieren, werden wir Wirtschaftsabwanderung erleben.“ Ja, es gibt ausgezeichnete Gründe für ein ambitioniertes Klimaziel – sogar und vor allem aus der Perspektive von „Wirtschaft“ & „Industrie“. Klimaschutz ist langfristig also Wirtschafts­förderung.

Aber Wadsak lotet da auch die Grenze der rosigen Zukunfts­prognose aus: wir brauchen eine aktive, zielgerichtete Klima­politik um das Szenario, das Wadsak entwirft, erreichen zu können. Das ist alles andere als ein Selbstläufer.

so etwas wie Optimismus

Marcus Wadsak verbreitet da einen gewissen Optimismus. Aber es ist kein naiver im Sinne des „eh nicht so schlimm; das schaffen wir locker“. Und ein gewisser kritischer Optimismus ist nötig, sonst wird man entmutigt angesichts der Hindernisse, die sich immer wieder stellen.

Und wie ist das mit Realismus?

Das Haupt-„Argument“ vieler Klimawandel­leugner ist: wir in Österreich können da eh nichts bewirken; wir sind zu klein. Es ist also egal, was wir machen. Der Standard fragt direkt:

STANDARD: Gerne vorgebracht wird auch das Argument, dass Österreich nur für 0,2 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich ist und Klimaschutz bei uns ohnehin nichts bringt, weil er keine Auswirkungen auf den globalen Klimawandel haben wird.

Wadsak: Das ist eine schöne Ausrede. 0,2 Prozent klingt nach wenig, wir haben aber nur einen Anteil von 0,1 Prozent an der Weltbevölkerung. Und in Deutschland ist es genauso, die haben ein Prozent der Weltbevölkerung, aber zwei Prozent der Emissionen. Das heißt, wir stoßen so doppelt so viele Treibhausgase aus wie der durchschnittliche Erdenbewohner. Allein das wäre für mich schon ein Auftrag. Wir versauen unsere Umwelt doppelt so stark wie der durchschnittliche Erdenbewohner. Erstens.

Es könnte sein, dass aber nicht nur Österreich auf die Vorteile einer emissionslosen Wirtschaft kommt, sondern unsere Nachbarn auch. Und dann wäre es besonders wichtig, nicht hinter diese zurückzufallen, sondern mit ihnen Trends zu setzen.

Ein kritischer Optimismus

Wadsaks Optimismus ist ein kritischer, der seine Grenzen und seine Bedingungen kennt. Ich finde, er kann nicht wirklich schaden; ich hoffe sogar, er nützt.

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